Andachten Archive - Seite 9 von 13 - Evangelische Kirchengemeinde Gütersloh

Predigt über Johannes 9,1-7

Liebe Leserin, lieber Leser,
als Predigttext ist für den heutigen Sonntag ein Abschnitt aus dem Johannesevangelium vorgeschlagen: Die Geschichte von der Heilung des Mannes, der blind geboren wurde.*

1 Im Vorbeigehen sah Jesus einen Mann, der von Geburt an blind war.
2 Da fragten ihn seine Jünger: »Rabbi, wer hat Schuld auf sich geladen, sodass er blind geboren wurde – dieser Mann oder seine Eltern?«
3 Jesus antwortete: »Weder er selbst hat Schuld auf sich geladen noch seine Eltern. Er ist nur deshalb blind, damit das Handeln Gottes an ihm sichtbar wird.
4 Wir müssen die Taten vollbringen, mit denen Gott mich beauftragt hat, solange es noch Tag ist. Es kommt eine Nacht, in der niemand mehr etwas tun kann.
5 Solange ich in dieser Welt bin, bin ich das Licht für diese Welt
6 Nachdem er das gesagt hatte, spuckte er auf den Boden. Aus dem Speichel machte er einen Brei und strich ihn dem Blinden auf die Augen.
7 Dann sagte er ihm: »Geh und wasche dich im Wasserbecken von Schiloach
Der Mann ging dorthin und wusch sich.
Als er zurückkam, konnte er sehen.

„Ich sehe was, was du nicht siehst…“ Erinnern Sie sich noch an dieses Kinderspiel?
Meist ging es darum, Dinge in bestimmten Farben zu erraten.
Mir kommt es so vor, als würde der Evangelist Johannes gerade dieses Spiel spielen, als er die Begegnung von Jesus und dem Blindgeborenen erzählt. Allerdings geht es ihm nicht um Farben, sondern um ganz anderes.

Lassen wir uns mal auf das Spiel ein und hören Johannes zu dem Blinden sagen:
Ich sehe was, was du nicht siehst, du namenloser Blindgeborener: Jesus kommt und sieht dich in deiner Bedürftigkeit, in deiner dunklen Welt. Du bist angesehen von Gott. Kein Wunder, denn Gott hat ein besonderes Auge auf die, deren Augen verschlossen sind.

Ich sehe was, was Ihr nicht seht, liebe Jünger!, setzt Johannes das Spiel fort. Ich sehe einen Blindgeborenen in seiner Not – und Ihr seht ihn nur, um die Schuldfrage zu diskutieren: Wer ist schuld daran, dass er blind ist? Wer hat gesündigt: Seine Eltern? Er selbst? Und die Blindheit – eine Strafe Gottes?

Selber schuld – höre ich auch heute:
Wenn ein Motorradfahrer verunglückt – selber schuld!
Wenn ein Flüchtlingsboot im Mittelmeer versinkt – selber schuld!
Wenn einer mit Covid19 aus Mallorca zurückkommt und schwer erkrankt – selber schuld!
So machen wir es uns leicht: Selber schuld! Ich bin nicht weiter zuständig.

Johannes sagt: Ich sehe was, was Ihr nicht seht. Ich sehe einen, der sich nicht aus der Verantwortung redet, sondern handelt. Ich sehe Jesus, der tut, was hilft: Spucke drauf!

Das findest du eklig? – Dann denk doch mal zurück, wie es damals war. Als du noch ein Kind warst und hingefallen bist und dein Knie tat dir weh. Mutter wusste, was gegen den ersten Schmerz half: Spucke drauf! Das ist doch genau das, was wir in der Not als erstes brauchen: Dass sich uns jemand liebevoll zuwendet. Seht, wie das hilft!

Und Johannes spielt sein Spiel weiter: Und ich sehe noch was, was Ihr Jünger nicht seht: Jesus bringt Licht, ja er ist das Licht. Und so heilt er.
Gott macht Blinde sehend, den Blindgeborenen und euch.

Und Ihr könnt Licht auf eurem Weg sehen und losgehen und neue Möglichkeiten entdecken für euer Leben, für eure Zukunft.

Irgendwie sind wir Menschen ja alle Blindgeborene. Wir brauchen andere, die uns helfen, die Welt zu sehen: Eltern, Erzieherinnen, Lehrerinnen, gute Freundinnen und Freunde und viele weitere Menschen. Auch der Glaube ist so eine Sehhilfe, um die Welt besser zu erkennen.

Ich sehe noch etwas, was Ihr nicht seht, höre ich Johannes sagen.
Ich sehe, wie blind Ihr seid, die Ihr euch für so klug und hellsichtig haltet. Ich sehe eure Blindheit gegenüber der Not der anderen.

  • Ihr seht weg, wenn Menschen in unserem Land wie Arbeitssklaven gehalten werden, wenn Tiere gequält werden, nur damit billiges Fleisch in Unmengen zur Verfügung steht.
  • Ihr seht weg, wenn die Schöpfung leidet unter eurem eigenen Konsumverhalten.
  • Ihr seid blind gegenüber der Not vieler Kinder, die grausames in ihren familiären Zusammenhängen erleben, seht nicht hin, hört lieber weg.

Dennoch: Gott sieht hin – und sieht auf euch, möchte euch die Augen öffnet, damit ihr lernt, genau hinzusehen – und dann auch handelt.
Gott sieht uns an. Wer darauf vertraut, wird sehend, lernt neu, sich und die Welt zu sehen.

Wer sich von Gott angesehen weiß, kann Schluss machen mit dem andauernden Blick auf sich selbst, kann Schluss machen mit der permanenten Selbstoptimierung, kann frei werden und den Blick nach vorne richten. Sieht was, was andere nicht sehen.

Wer sich von Gott angesehen weiß, kann die Aufgaben erkennen, die sich ihm und ihr stellen, die Verantwortung für die anderen und für die Schöpfung, für „Güte und Gerechtigkeit und Wahrheit“, wie es im Wochenspruch heißt.

Ich sehe was, was du nicht siehst: Im Vertrauen auf Gottes Angesicht werden Blinde sehend.
Ich sehe was, was du nicht siehst – und das verspricht neues Leben für dich und die Welt!
Und der Friede Gottes, der höher ist als alle unsere Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.


Fürbitten

Lebendiger Gott, du siehst uns an
und wir sind angesehen in deinen Augen.

Wir bitten dich für alle körperlich blinden Menschen,
lass sie Hilfe und wenn möglich Heilung erfahren.

Wir bitten dich für alle, die im übertragenden Sinn blind sind,
sei es aus Angst vor der Wirklichkeit,
sei es aus Selbstzufriedenheit und Ignoranz.
Gib ihnen die Kraft, ihre Augen zu öffnen
und hinzusehen.
Gib ihnen den Mut, neue Wege zu gehen.

Wir bitten dich für uns selbst,
dass wir dir vertrauen
und mit offenen Augen und wachen Sinnen
durchs Leben gehen.
Dass wir die Aufgaben wahrnehmen,
die sich uns zeigen,
und Verantwortung übernehmen
für die Welt und deine Schöpfung.

 

Vater unser im Himmel,
geheiligt werde dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe,
wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung;
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich und die Kraft
und die Herrlichkeit in Ewigkeit. 

Amen.

Ihr Pfarrer Michael Frentrup

 

*Übersetzung der BasisBibel

Liebe Leserin, lieber Leser,

„Traust du dich denn überhaupt, zu mir zu kommen?“ Diesen Satz habe ich in den letzten Monaten, in denen das Corona-Virus unser Leben so maßgeblich verändert hat, oft gehört, wenn ich Menschen aus der Gemeinde oder meinem Freundeskreis besuchen wollte. In der Tat zwingt diese Pandemie uns, unsere alltäglichen Vollzüge immer wieder auf die Probe zu stellen: Gefährde ich durch mein Verhalten andere oder mich selbst? Ist es in Ordnung, wenn ich Frau W. zu ihrem 90. Geburtstag wenigstens an der Haustür gratuliere? Verstoße ich gegen die Corona-Schutzverordnung, wenn ich meiner Tochter erlaube, zu ihrem 18. Geburtstag zehn Jugendliche aus unterschiedlichen Haushalten einzuladen? Nie hätte ich mir geträumt, dass ich mich irgendwann mal mit den Folgen einer Pandemie auseinander setzen müsste und manchmal wünsche ich mir ganz klare Handlungsanweisungen, was denn nun geht und was eben noch nicht.

Der Predigttext für den heutigen Sonntag ist so eine klare Handlungsanweisung. Das Schreiben an die hebräischen Gemeinden listet klar und prägnant auf, wie man sich zu verhalten hat. Der gesamte Hebräerbrief richtet sich an die jungen Christengemeinden. Bei ihnen herrscht Verunsicherung, sie stellen fest, dass sie mit ihrem Glauben in ihrer Umgebung auf erheblichen Widerstand gestoßen sind, Hoffnungs- und Mutlosigkeit macht sich unter ihnen breit. Der Verfasser des Hebräerbriefs will sie in dieser Situation mit seinem Schreiben trösten und bestärken. Und er verweist sie darauf, dass das eigentliche Ziel nicht ist, sich im Hier und Heute einzurichten, so als ob die vorfindliche Welt die tatsächliche Heimat wäre: „Denn wir haben hier keine bleibende Stadt, sondern die zukünftige suchen wir.“ (Hebr. 13,14). Wir sind Gäste auf Erden – und als solche sollen wir uns verhalten. Und dann gibt er ganz konkrete Anweisungen an die verunsicherten Menschen, was sie tun oder auch lassen sollen.

 

Hebr. 13, 1-3

1 Bleibt fest in der brüderlichen Liebe.
2 Gastfrei zu sein vergesst nicht; denn dadurch haben einige ohne ihr Wissen Engel beherbergt.
3 Denkt an die Gefangenen, als wärt ihr Mitgefangene, und an die Misshandelten, weil auch ihr noch im Leibe lebt.

Berechtigterweise könnte man jetzt fragen, ob konkrete Handlungsvorgaben bei den Adressaten genug Mut machen, genug Hoffnung wecken, um in der christlichen Gemeinde beheimatet zu bleiben. Drei Aufforderungen, von denen besonders die zweite für die Menschen als echte Zumutung empfunden worden sein dürfte. „Gastfrei zu sein vergesst nicht“ – sollen sie denn nun wirklich diejenigen, die sie ausgrenzen und demütigen ob ihres Bekenntnisses zum christlichen Glauben, auch noch einladen und bewirten? Einleuchtend ist das zunächst einmal nicht. Doch der Schreiber führt aus: „Denn dadurch haben einige ohne ihr Wissen Engel beherbergt.“ Die Bibelkundigen unter den Adressaten werden mit diesem Hinweis erinnert, wieviel Segen in gewährter Gastfreundschaft liegen kann. Im 1. Buch Mose wird von Sara und Abraham erzählt, die drei ihnen unbekannte Männer aufnehmen und bewirten. Gastfreundlich laden sie sie ein, unter dem Schatten des Baumes zu rasten, sie bringen ihnen Wasser, damit sie den Staub abwaschen können und bewirten die drei Fremden anschließend großzügig. Im Laufe des Gesprächs künden die drei Fremden dem so lange kinderlos gebliebenen Paar die Geburt des lang ersehnten Sohnes an. Die Gastfreundschaft, die Sara und Abraham den drei ihnen völlig fremden Menschen gewähren, lässt sie die Erfahrung von etwas Wunderbarem machen: Die Geburt ihres Kindes verwandelt Hoffnungslosigkeit in eine Perspektive, Mutlosigkeit in eine unerwartete Kraft – „...denn dadurch haben einige ohne ihr Wissen Engel beherbergt.“ Die drei Fremden, diese Botschafter Gottes, haben Segen über das Haus des alten Ehepaars gebracht. Engel sind Heilsbringer, Hoffnungsboten. Sie vermitteln eine Ahnung davon, dass nichts beim Alten bleiben muss. Davon erzählen die Geschichten der Bibel.

In der Rede vom Weltgericht bringt Jesus zum Ausdruck, dass auf der Aufnahme von Fremden ein besonderer Segen liegen kann: „Ich bin ein Fremder gewesen und ihr habt mich aufgenommen.“ Und er fährt fort: „Wahrlich, ich sage euch: Was ihr getan habt einem von diesen meinen geringsten Brüdern, das habt ihr mir getan.“ (Matth. 25, 40)

Wir selber tun uns ja nicht immer leicht damit, den Fremden, den Unbekannten in unser Leben zu lassen. Unser Umgang mit den geflüchteten Menschen, die ihre Heimat verlassen mussten und um unsere Gastfreundschaft bitten, zeigt das recht deutlich. Oft regieren wir eher angstbesetzt und befürchten eine „Überfremdung“ unserer Gesellschaft und den Verlust von eigenem Wohlstand. Vielleicht sollten wir aber mal den Gedanken zulassen, dass uns in diesen Menschen, die aus großer Not und existentieller Bedrohung ihr Zuhause aufgeben mussten, Gott begegnen könnte. Dass Gott es ist, der um Aufnahme und um unsere Hilfe bittet. Wenn wir diesen Gedanken zulassen, dann wird auch eines klar: Gastfreundschaft gegenüber allen Menschen, die uns begegnen, ist Gottesdienst. Im Fremden, dem wir unter uns eine neue Heimat anbieten, kann uns Gott begegnen. „Gastfrei zu sein vergesst nicht; denn dadurch haben einige ohne ihr Wissen Engel beherbergt.“

In diesem Sinne wünsche ich uns allen segensreiche Begegnungen als Gast und als Gastgeber!

Ihre Pfarrerin Wiebke Heine

6. Sonntag nach Trinitatis

Lieber Leser, liebe Leserin,

Von keinem geringeren als Martin Luther wird berichtet, dass, wenn es ihm nicht gut ging, er sich aufschrieb „Baptisatus sum! ich bin getauft!“ und mit einem Stein zur Befestigung auf seinen Tisch legte, damit diese Gewissheit nicht vom Winde verwehen konnte. Denn es brachte ihm große Gewissheit und neues Vertrauen, wenn er sich seiner Taufe vergewisserte.

Der (heutige) 6. Sonntag nach Trinitatis ist der Tauferinnerung gewidmet. Wir sollen oder dürfen oder möchten uns unserer Taufe erinnern: Als unsere Eltern uns vor Gott gebracht haben, der uns unsere Wesen, unsere Gestalt und unsere Schönheit gegeben hat. Bei der Taufe reichten sie uns sozusagen zurück an den Schöpfer alles Lebendigen und vertrauten uns ihm für den weiteren Weg an. Es ist selbstverständlich, dass Eltern, die ein gesundes Kind empfangen haben, tiefe Dankbarkeit empfinden. Es hätte ja auch ganz anders kommen können. Und so haben unsere Eltern mit dem Weg zum Taufbecken gesagt: Hier ist unser Kind. Wir haben es von dir, Gott. Es gehört nicht uns. Wir bitten dich, es zu behüten, zu führen und zu segnen. Wir bitten dich, bei ihm zu sein, auch und gerade, wenn das Leben Schweres bringen wird. Die Taufe ist eine Art Adoption eines Menschen durch Gott: wir bitten Gott, der dieses Kind geschaffen hat, er möge ihm (auch) Vater und Mutter sein. Die leiblichen Eltern wird es eines Tages verlieren, aber Gott bleibt. Jesus selbst hat sich einer Erzählung der Evangelien zufolge taufen lassen. Als er aus dem Jordan gestiegen sei, habe eine Stimme gesagt: Das ist mein lieber Sohn. So möchte Gott auch über dem eigenen Kind sprechen: Das ist mein geliebtes Kind.

Das verändert die Perspektive. Es steht nicht einer unbekannten Macht gegenüber, sondern dem liebenden Gott, der schon durch den Propheten Jesaja sagen lassen hat: „So spricht der HERR, der dich geschaffen hat, Jakob, und dich gemacht hat, Israel: Fürchte dich nicht, denn ich habe dich erlöst; ich habe dich bei deinem Namen gerufen; du bist mein!“ (Jesaja 43,1)

Oft wird dieses Wort bei Taufen gesprochen. Es kehrt Beruhigung ein: Nicht eine Nummer sind wir bei Gott, sondern er kennt uns bei unserem Namen. Ich denke daran, wie Gott im Paradies nach Adam ruft: Adam, wo bist du? oder wie Gott zweimal den Abraham ruft: Abraham! Abraham! um zu verhindern, dass sein Sohn Isaak sterben muss. Oder Maria wird am Ostermorgen vom Auferstandenen, von dem sie meinte, er sei der Gärtner, aus ihrer Trauer gerufen. Wenn ich bei meinem Namen gerufen werde, fühle ich mich persönlich angesprochen. Dann kann ich nicht ausweichen.

Bei unserer Taufe sind wir zum ersten Mal von Gott bei unserem Namen gerufen worden. Vielleicht ist dabei sogar dieses Jesaja-Wort als Segenswort gesprochen worden: „So spricht der HERR, der dich geschaffen hat, Jakob, und dich gemacht hat, Israel: Fürchte dich nicht, denn ich habe dich erlöst; ich habe dich bei deinem Namen gerufen; du bist mein!“

Man sieht uns nicht an, dass wir getauft sind. Das ist wie mit einem Stein: Wenn wir ihn am Strand etwa im Wasser liegen sehen, sieht er wunderbar aus. Wir nehmen ihn vor Begeisterung mit, und am anderen Morgen, wenn der Stein getrocknet ist, sind wir vielleicht enttäuscht: Er sieht gar nicht mehr so gut aus. So ist das auch bei uns. Der Augenblick der Taufe war ein ganz besonderer, Gottes Zuspruch stand im Raum. Unsere Eltern, Paten und Patinnen waren gerührt von der Anwesenheit Gottes. Aber dann – im Laufe des Lebens – sieht man uns nicht an, dass wir getauft sind bzw. wir vergessen es nahezu. Da ist es schon gut, erinnert zu werden, um wieder zu hören, dass wir Gottes geliebte Kinder sind. Und wenn es uns nicht gut geht – das passiert in diesen Zeiten noch öfter als sonst –, sollten wir uns vielleicht wie Martin Luther einen Zettel schreiben und ihn etwa an den Spiegel heften, damit wir schon morgens erinnert werden, Gottes geliebtes Kind zu sein.

Die Liebe und Zuwendung Gottes zu uns bedeutet eine ganz besondere Wertschätzung. Sich dieser Wertschätzung Gottes immer wieder bewusst zu werden, ist der Sinn der Tauf­erinnerung. Wenn wir uns in besonderem Maße geliebt fühlen, bringt uns das dazu, auch unsere nahen und fernen Nächsten, unsere Mitgeschöpfe und die gesamte Schöpfung Got­tes in ihrer ganzen Pracht und Schönheit wahrzunehmen, ebenfalls Wert zu schätzen, sie zu achten und uns mit viel Empathie und Herzblut für ihren Erhalt und Schutz einzusetzen.

Dann behalten wir Kraft, unseren Platz in dieser Welt zu behalten. Auch und gerade in diesen Zeiten ist es so wichtig, uns der guten Schöpfung Gottes bewusst zu werden und sie wieder mehr zu schonen und zu beten:

Herr, unser Schöpfer,
gesegnet hast du deine Geschöpfe,
Menschen und Tiere,
aus deiner Hand kommen sie und wir.
Deine Liebe hat uns zusammengebracht.
Wir haben uns von dir entfernt
und darum die Mitgeschöpfe preisgegeben
an Willkür, Ausbeutung und Experiment.

Herr, dein Segen bringe uns wieder zusammen.
Lass uns den Regenbogen erkennen,
der über uns und sie gespannt ist.
Mache uns wieder dankbar für dein Geschenk,
öffne uns die Augen für den Reichtum dieser Erde.

Segne uns durch neues Staunen.
Lass uns auf die Sprache achten,
die Bruder und Schwester Tier sprechen,
lass uns achten auf die Sprache
von Pflanzen, Blumen und Bäumen.

Segne uns durch neue Freude über alle Geschöpfe
und halte uns verbunden in dir.

Eberhard Röhrig (Schöpfungssegen)

Amen.

Bleiben Sie behütet!

Ihre Pfarrerin Erika Engelbrecht

 

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