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Andacht zum 2.Advent

Ein fast leerer Raum. Ein Kind sitzt an einem Tisch. Da öffnet sich eine Tür. Hinein kommt eine Frau und hält etwas in der Hand, das die Augen des eben noch gelangweilten Kindes aufleuchten lässt. Die Frau überreicht dem Kind etwas Besonderes.

Ein Überraschungs-Ei.

„Wenn du das hier nicht öffnest“, sagt sie dem Kind, „sondern noch ein bisschen wartest, bekommst du später von mir noch ein zweites.“ Natürlich fällt das dem Kind schwer. So ein tolles Geschenk - und jetzt soll man warten? Das Kind ringt mit sich aber öffnet dann das Ei - wie übrigens alle anderen Kinder auch in diesem Werbespot.

Die Botschaft: ein Überraschungs-Ei ist so toll, dass niemand es schafft, zu warten. Warten, Geduldig sein, das fällt schwer.

Dabei ist die Fähigkeit zu warten eine Erfolgseigenschaft. das ist sogar wissenschaftlich erwiesen. Vor mehr als 40 Jahren wurde ein Experiment durchgeführt, das dem Ü-Ei-Werbespot sehr ähnelt:

Da machte ein Psychologe amerikanischen Vorschulkindern ein verlockendes Angebot: Er gab jedem Kind ein Marshmallow. Nun hatten die Kinder die Wahl: entweder gleich essen oder warten, bis der Versuchsleiter zurück kommen würde. Dann sollten sie zur Belohnung ein zweites Marshmallow erhalten. Einige Kinder konnten der Versuchung nicht widerstehen und langten gleich zu, andere beherrschten sich und bekamen den doppelten Lohn.

Etwa 14 Jahre später testete der Psychologe dieselben Kinder noch einmal. Das Erstaunliche: Diejenigen, die schon als Kinder warten konnten, waren zu selbstbewussten jungen erwachsenen gereift. Sie waren in der Lage, sich für ihre Ziele einzusetzen und konnten auch mit Enttäuschungen im leben gut umgehen.

Den anderen, den „Sofortessern“, gelang das weniger gut. Geduldig warten zu können ist also eine Erfolgseigenschaft.

Warten - das ist das Hauptthema, der rote Faden der Adventszeit.

Wir warten darauf, dass Gott kommt, in seinem Sohn Jesus Christus, dessen Geburt wir an Weihnachten feiern.

Sind wir bereit? Sind wir geduldig und warten?

Warten fällt schwer, und deshalb wird uns das Warten versüßt: den Kindern mit Süßigkeiten im Adventskalender.

Als eine kleine Zwischenstation kommt am 6.Dezember der Nikolaus mit seinen Geschenken, damit man schon mal einen kleinen Vorgeschmack bekommt.

Wie wichtig Geduld ist, wussten Christen schon immer!

Seit Jahrhunderten wartet die Christenheit auf das Wiederkommen von Jesus Christus und auf Gottes spürbare Nähe. Einer, Jakobus genannt, glaubte unverbrüchlich daran, dass Jesus zurück kommen würde. und wenn er kommt, wird die Erde allen gehören und Gerechtigkeit für alle gelten. Jakobus war sich sicher: es lohnt sich zu warten.

 

So seid nun geduldig bis zum Kommen des Herrn. Stärkt einander die Herzen. Lasst nicht zu, dass die Schwester neben euch die Hoffnung verliert oder der Bruder an eurer Seite seine Seele verkauft für den schnellen Erfolg.
Stärkt einander die Herzen und vertraut darauf: Das Kommen des Herrn ist nahe.

„Habt Geduld“, sagt Jakobus, „das Kommen des Herrn ist nahe!“

Viel wissen wir nicht über die Menschen, die den Brief des Jakobus als Erste gelesen haben. Vermutlich waren es Flüchtlinge aus dem zerstörten Jerusalem. Arm waren sie, wurden oft ungerecht behandelt und ausgenutzt. Dass sich schon seit Langem nichts geändert hat an ihrer schweren Lage, das können wir aus dem Zusammenhang des Briefes herauslesen.

In einer solchen Situation ist es schwer, die Hoffnung auf bessere Zeiten nicht zu verlieren. Da ist es besonders wichtig, nicht aufzugeben und Geduld zu haben. weiter zu machen und gegen den Augenschein weiter zu hoffen.

Es geht aber nicht darum, nur abzuwarten und die Dinge geschehen zu lassen.

Jakobus beschreibt, dass man die Zeit des Wartens nutzen kann, um Gutes und Sinnvolles zu tun. Viel Zeit ist vergangen, seit Jakobus seine Gedanken zur Geduld geschrieben hat. Die Vorstellung, dass Jesus bald zurückkehrt und das Ende der Welt nahe ist steht nicht mehr im Zentrum des Glaubens.

Zwar gibt es immer wieder Menschen, die den nahen Weltuntergang ausmachen. Das war zuletzt 2012 soweit. Neuerdings heißt es: 2032 dann!

Aber wer glaubt das schon?

Ich nicht.

Jedenfalls nicht so.

Und doch warte ich, jeden Tag aufs Neue, in gewisser Weise, dass Gott kommt.

Mit seiner Liebe und mit seinem Segen.

 

An manchen Tagen spüre ich, dass er mir nahe ist, an anderen nicht. Da heißt es dann geduldig sein und warten.

Leicht fällt mir das nicht.

da bin ich dann eher so wie die Kinder mit dem Ü-Ei: ich will alles, und zwar sofort. Genießen, jetzt. Worauf noch warten?

„Auf Gott und seine Gerechtigkeit“, flüstert dann eine Stimme in mir: „Gib die Sehnsucht nach Gott nicht auf, lass nicht nach in der Hoffnung, dass die Welt besser und gerechter wird. Du darfst das Leben genießen - aber verliere nicht das große Ganze aus den Augen.“

Kommen wir noch einmal auf das zurück, was Jakobus uns nahe legt: nutzt die Zeit des Wartens, indem ihr Gutes tut.

Lebt als Kinder des Lichts. Die Frucht des Lichts ist lauter Güte und Gerechtigkeit und Wahrheit - heißt es im Epheserbrief.

Ein Leben im Licht, das ist auch das : etwas von dem Licht, das wir empfangen dürfen, weiterzugeben, an andere.

Gottsucherinnen und Gottsucher sollen wir sein.

 

Gott will sich von uns finden lassen. Da bedient er sich manchmal ungewöhnlicher Mittel. Wie z.B. dem Kind in der Krippe. Manchmal müssen wir neue Wege gehen und andere Orte als die uns vertrauten aufsuchen, um Gott zu finden.

Bei unserer Suche müssen wir geduldig sein, auch mit uns selbst. Und warten können.

 

Lebt als Kinder des Lichts - das heißt.: wenn ihr Gott finden wollt, dann seht in jedem Menschen euren Bruder oder eure Schwester. Wenn ihr Liebe lebt, dann erfahrt ihr etwas von Gottes Wirklichkeit, dann kommt Gott zu euch.

Die Frucht ist lauter Güte und Gerechtigkeit und Wahrheit.

So hat sich das Warten gelohnt!

Geduld ist eine Erfolgseigenschaft.

Im Advent üben wir sie.

Lassen wir uns auffordern von den Worten des Jakobus:
So seid nun geduldig bis zum Kommen des Herrn.

Stärkt einander die Herzen. Lasst nicht zu, dass die Schwester neben euch die Hoffnung verliert oder der Bruder an eurer Seite seine Seele verkauft für den schnellen Erfolg.

Stärkt einander die Herzen und vertraut darauf:

Das Kommen des Herrn ist nahe.

 

Amen

Für die Kinder- und Jugendarbeit des CVJM

Die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen in unserer Gemeinde ist ein Pfund, mit dem wir wuchern können: Aktuell engagieren sich – trotz Corona – über 150 ehrenamtlich Mitarbeitende in vielen Gruppen und Projekten. Mitarbeitende, das sind junge Menschen, die z.B. die Jungschar betreuen, Workshops bei Jugendkulturprojekten leiten, beim Konfirmandenunterricht helfen oder sich um Veranstaltungstechnik kümmern.

Verantwortet wird dieser Teil unserer Gemeindearbeit von unserem Partner, dem CVJM Gütersloh e.V. Dessen Haus in der Moltkestraße ist Zentrum und Ausgangspunkt der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen. Dort finden viele Projekte statt, sind die Büros unserer pädagogischen Fachkräfte und werden Ehrenamtliche geschult.

Aber das 1910 erbaute Haus ist in die Jahre gekommen und bedarf dringend der Sanierung und Modernisierung, um der Kinder- und Jugendarbeit weiter ein Zuhause geben zu können. Darum bittet die Evangelische Stiftung die Gesamtgemeinde in diesem Jahr um eine

 Adventsspende 2020 für die Kinder- und Jugendarbeit des CVJM.

Der CVJM selbst hat bereits die finanziellen Mittel für notwendige bauliche Sanierungsmaßnahmen aufgebracht. Darüber hinaus soll das Haus jetzt behindertengerecht umgestaltet, die Räume multifunktional nutzbar und die technische Infrastruktur erneuert werden.

Dafür benötigen wir Ihre Unterstützung und bitten um Ihre Spende! Unter dieser Kontoverbindung kommt Ihre Hilfe diesem wichtigen Projekt zugute:

 

Evangelische Stiftung Gütersloh
Verwendungszweck: Adventsspende 2020
DE 35 4785 0065 0000 8869 55
BIC: WELADED1GTL - Sparkasse Gütersloh

 

Alle Spenderinnen und Spender erhalten Anfang 2021 eine Spendenbescheinigung.

Bereits jetzt danken wir Ihnen herzlich für Ihre Bereitschaft, das Miteinander in unserer Gemeinde zu unterstützen.

Wir wünschen Ihnen eine gesegnete Adventszeit !

Evangelische Stiftung Gütersloh  & Evangelische Kirchengemeinde Gütersloh

 

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