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Spiritueller Impuls von Pater Wilhelm aus Brasilien zum Ostersonntag
Andachten / Impulse Archive - Seite 17 von 20 - Evangelische Kirchengemeinde Gütersloh
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Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?
Ich schreie, aber meine Hilfe ist ferne.
Mein Gott, des Tages rufe ich, doch antwortest du nicht,
und des Nachts, doch finde ich keine Ruhe. (Psalm 22,2.3)
Liebe Leserin, lieber Leser!
Ärzte, die bis zur völligen Erschöpfung um das Leben ihrer Patienten ringen. Die weinende Krankenschwester, die ihre Angst in die Kamera schreit, weil sie ohne Schutzausrüstung Corona-Patienten versorgen muss. Infizierte, die einsam auf Krankenhausfluren sterben, ohne sich von ihren Lieben verabschieden zu können. Das geschieht nicht in armen Ländern weit, weit weg in Afrika oder Südamerika, das geschieht hier in unserer europäischen Nachbarschaft.
Die Bilder fressen sich in meinen Kopf, ich mag gar nicht mehr hinsehen, mag die Nachrichten und Sonderreportagen nicht mehr ansehen. Und doch kann ich den Blick nicht abwenden. Sauge fast täglich die neuesten Berichte, Statistiken und Prognosen in mich auf.
So viel Leid, so viel Verzweiflung, so viel Tod! Dank der Medien bin ich bin immer informiert, bin mittendrin in der Pandemie, ob in Europa, den USA oder Asien. Dazu diese Angst: Was, wenn vielleicht auch hier die Krankenhausplätze nicht mehr reichen, wenn Menschen sterben müssen, die mir lieb sind?
Heute ist Karfreitag, der Tag. Wir Christenmenschen denken an Leid und Sterben Jesu. Weil Gott seine Welt liebt, hat er ihr seinen Sohn gesandt. Erfüllt von Gottes Liebe, hat Jesus viele Menschen begeistert, getröstet und geheilt – und etliche gegen sich aufgebracht. Und dann wird er verraten und gefoltert und stirbt elend am Kreuz. „Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?“, so Markus und Matthäus, waren seine letzten Worte.
Dazu drängt sich mir das drastisch-realistische Kreuzigungsbild des Isenheimer Altars von Matthias Grünewald in den Kopf. Ursprünglich war es als Trost für Kranke gedacht. Wenn sie es ansahen, sollten sie erfahren: Gott ist bei mir in meinem Leid und meiner Angst, ich bin nicht allein. Das sollte sie stärken und ihre Schmerzen vergessen lassen. Ob es wohl gewirkt hat?
Ich gebe zu: Mich tröstet dieses Bild nicht. Aber ich brauche heute ein Bild des Trostes und der Hoffnung, das ich gegen all die Schreckensbilder setzen kann. Und was kann dies am Karfreitag anderes sein als das Bild des Gekreuzigten?
In dem kleinen Andachtsbuch „Dein Tod ist unser Leben“ von Jörg Zink finde ich schließlich die Geschichte des „Balzer Herrgotts“ wieder. Sie hat mich schon vor vielen Jahren angerührt. Vielleicht geht es Ihnen ebenso.
Am Berghang über dem Tal von Wildgutach im Hochschwarzwald steht eine mächtige alte Buche. In den jahrhundertealten Stamm ist eine Christusfigur eingewachsen. Um ihre Herkunft ranken sich einige Legenden. Vermutlich gehörte die Sandsteinfigur zu einem eisernen Hofkreuz. Es wurde 1844 durch eine Lawine beschädigt, der Christus verlor Arme und Beine. Um 1900 wurden die Reste des Kreuzes mit dem Korpus an dem Baum befestigt. Als nun die Buche weiterwuchs, rieb sich der Stamm wund an dem Eisen und begann, um die Stäbe herumzuwachsen. Im Laufe der Jahrzehnte hat der Baum auch den Gekreuzigten immer weiter in sich aufgenommen und mit lebendigem Holz umhüllt. Was für ein hoffnungsvolles Bild!
Hart wie Stein, kalt wie Metall, so begegnet uns der Tod, besonders in dieser Zeit des massenhaften Leidens und Sterbens. Doch, so führt uns der „Balzer Herrgott“ vor Augen, der Tod hat nicht das letzte Wort. Ein Lichtstrahl des Ostermorgens erhellt schon den Karfreitag. Wie das lebendige Holz den toten Stein umschließt, so umhüllt Gottes Liebe Jesus auch im Tod und bringt ihn zu neuem Leben. Nicht ohne Angst, Verletzung und Schmerz, sondern durch Angst und Leid und Tod hindurch führt der Weg zum Leben. Für Jesus und für uns. Denn wenn wir mit ihm zusammengewachsen sind, ihm gleich geworden in seinem Tod, so werden wir ihm auch in der Auferstehung gleich sein (Römer 6,5). Dieses Vertrauen schenke Gott uns allen. Amen.
Holz auf Jesu Schulter, von der Welt verflucht,
ward zum Baum des Lebens und bringt gute Frucht.
Kyrie eleison, sieh wohin wir gehn.
Ruf uns aus den Toten, lass uns auferstehn. (Evangelisches Gesangbuch 97, Strophe 1)
Gott segne und behüte Sie.
Ihre Pfarrerin Kerstin Jacobsen

Liebe Mitmenschen,
Heute ist Gründonnerstag. Heute war Jesus ein letztes Mal mit seinen Freunden zusammen, sie aßen. Beim Essen lässt sich besonders gut reden. Aber an diesem Abend wollten gar keine Gespräche aufkommen. Alle hatten Angst vor dem, was kommen würde: der Abschied von Jesus. Er sah, wie müde und traurig seine Freunde waren. Jesus ahnte, dass, wenn er auf eine neue, eine andere Weise als bisher bei ihnen bleiben würde, es für sie einfacher wäre, wenn er nicht mehr bei ihnen sein würde. Darum nahm er das Brot und den Kelch, stiftete die Gemeinschaft und sagte: „Tut es immer wieder: euch erinnern an mich und Brot mit Kelch teilen!“ Seine Freunde konnten es noch nicht so recht verstehen, was das bedeuten sollte. Doch eines haben sie genau gespürt: Jesus hat ihnen in ganz besonderer Weise seine Liebe geschenkt. Er wird immer bei ihnen sein, gleich wie‘s kommen mag. Die zugesagte Gemeinschaft mit Gott wird sie stärken, wenn Jesus sie allein zurück lässt. Das gibt Trost.
Gern hätten wir diese Gemeinschaft heute Abend in unseren Kirchen und Gemeindehäusern gefeiert. Aber wir müssen Abstand halten.
In diesem Jahr fällt der Gründonnerstag auf den 9. April. Heute vor 75 Jahren wurde Dietrich Bonhoeffer im Konzentrationslager Flossenbürg erhängt, – kurz vor Ende des Krieges.
1906 war er mit seiner Zwillingsschwester in eine gutbürgerliche, akademische, nicht unbedingt religiös geprägte Welt geboren worden.
Schon früh entdeckte Dietrich Neugier für alles, was den nüchternen Verstand überschreitet. Später studierte er Theologie. Schon Anfang der 30er Jahre wurde Dietrich Bonhoeffer Studentenpfarrer und Privatdozent an der Berliner Universität. Er entdeckte eine große Bedeutung in der Bergpredigt Jesu, beginnend mit den Seligpreisungen:
3 Selig sind, die da geistlich arm sind; denn ihrer ist das Himmelreich.
4 Selig sind, die da Leid tragen; denn sie sollen getröstet werden.
5 Selig sind die Sanftmütigen; denn sie werden das Erdreich besitzen.
6 Selig sind, die da hungert und dürstet nach der Gerechtigkeit; denn sie sollen satt werden.
7 Selig sind die Barmherzigen; denn sie werden Barmherzigkeit erlangen.
8 Selig sind, die reinen Herzens sind; denn sie werden Gott schauen. 9 Selig sind die Friedfertigen; denn sie werden Gottes Kinder heißen.
10 Selig sind, die um der Gerechtigkeit willen verfolgt werden; denn ihrer ist das Himmelreich.
(Matthäus 5, 3 – 10)
In seinem Buch „Nachfolge“ schreibt Bonhoeffer: „Die Jesus nachfolgen, werden hungrig und durstig auf dem Weg. Nach Vergebung aller Sünden und völliger Erneuerung tragen sie Verlangen nach dem Neuwerden der Erde und vollkommener Gerechtigkeit Gottes. Noch deckt der Fluch der Welt diese zu, noch fällt die Sünde der Welt auf sie. Der, dem sie nachfolgen, muss als Verfluchter am Kreuz sterben. Ein verzweifeltes Verlangen nach der Gerechtigkeit ist sein letzter Schrei: mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen? Der Jünger aber ist nicht über seinen Meister. Ihm folgen sie nach. Selig sind sie darin, denn ihnen ist verheißen, dass sie satt werden sollen. Gerechtigkeit sollen sie empfangen, nicht nur durchs Ohr, sondern leibliche Sättigung mit Gerechtigkeit soll ihnen widerfahren. Das Brot des wahrhaftigen Lebens sollen sie essen im zukünftigen Abendmahl mit dem Herrn. Um dieses zukünftigen Brotes willen sind sie selig; denn sie haben dieses Brot ja schon gegenwärtig. Der das Brot des Lebens ist, ist in all ihrem Hunger unter ihnen.“
(S. 60)
Friede wurde zum zentralen Thema für Bonhoeffer. Er ließ nicht gelten, dass die Gebote der Bergpredigt nur einen bestimmten Bereich des Lebens betreffen. Schon 1934 forderte er ein großes oekumenisches Konzil der weltweiten Heiligen Kirche Christi, damit sie den Menschen die Waffen aus der Hand nimmt und ihnen den Krieg verbietet.
Für kurze Zeit – in Folge eines Lehrverbotes – geht Dietrich Bonhoeffer nach London als deutscher Pfarrer, wurde dann Leiter des Predigerseminars in Finkenwalde. Dort entstand das Buch „Nachfolge“. Nachfolge – so schreibt er – sei die Lösung aller bisherigen Bindungen, sei stattdessen die Bindung an die Person Jesu Christi. Letztlich sei Nachfolge Leidenmüssen, das Leiden Gottes an der Welt zu teilen. Dieser ist nicht allmächtig, sondern offenbart sich in der Schwachheit, im Leiden, – bis zum Tod am Kreuz: Nur der leidende Gott kann helfen. Wie gut, dass wir in dieser Woche die Gelegenheit haben, uns dessen wieder bewusst zu werden! Auch wenn wir die Gemeinschaft unter einander heute beim Feierabendmahl nicht haben können, dürfen wir sicher sein, dass wir aus der Gemeinschaft mit (dem leidenden) Gott nicht fallen.
Nach der Schließung des Finkenwalder Predigerseminars und Reisen zu oekumenischen Partnern ging Dietrich Bonhoeffer in den Widerstand, – als Konsequenz seines theologischen Denkens. Er arbeitete inzwischen an seiner „Ethik“, einem Buch, das nicht mehr fertig geworden ist und das sein Freund Eberhard Bethge nach dem Krieg herausgegeben hat. Immer bedeutender wird Bonhoeffer die Frage, wie eine kommende Generation weiterleben kann. Als Aufgabe für die Menschen in der Nachfolge nennt er das Beten und (dann) das Gerechte zu tun.
Am 5. April 1943 wurde Bonhoeffer festgenommen. Zum Jahresende auf 1945 schreibt er die uns so wertvollen Zeilen „Von guten Mächten“. In seiner langen Haftzeit war er dank seines Gottvertrauens für manchen Häftling eine Beruhigung. Als Dietrich Bonhoeffer am 9. April 1945 im Konzentrationslager Flossenbürg erhängt wurde, sollen seine letzten Worte gewesen sein: „Dieses ist nicht das Ende, sondern der Anfang meines Lebens.“
Ich möchte gern noch auf dieser Erde für mehr Gerechtigkeit eintreten und hoffe, dass das Corona-Virus das einmal wieder mehr zulässt als im Augenblick möglich, aber ich freue mich auch auf das Mahl in Gottes ewiger Welt. Diese Freude möge uns durch diese Zeit tragen, denn
„Von guten Mächten wunderbar geborgen,
erwarten wir getrost, was kommen mag.
Gott ist bei uns am Abend und am Morgen
und ganz gewiss an jedem neuen Tag.“
Bleiben Sie behütet!
Ihre Pfarrerin Erika Engelbrecht
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Um Menschenansammlungen zu vermeiden, werden ab sofort für dringend notwendige Erledigungen nur noch Termine vergeben. Diese sind vorab mit dem Gemeindebüro Rufnummer 05241 - 22292-0 oder per E-Mail gemeindebuero@ekgt.de und dem Büro für Amtshandlungen (Taufen & Trauungen) Rufnummer 05241- 22292-53 oder per E-Mail amtshandlungen@ekgt.de zu vereinbaren.V
Evangelische Kirchengemeinde Gütersloh
Königstr. 6
33330 Gütersloh
Telefon: 05241 22292-0
E-Mail: gemeindebuero@ekgt.de