Aktuelles Region West Archive - Evangelische Kirchengemeinde Gütersloh

70 Jahre Wiederaufbau der Apostelkirche, und wie es in meiner Kindheit hieß.

Die Alte Kirche 

Als Zeitzeugin gehe ich noch etwas weiter zurück, denn die Apostelkirche hat mich mein ganzes Leben begleitet. Schon vor meiner Schulzeit bin ich regelmäßig mit meinen älteren Geschwistern in den Kindergottesdienst gegangen – auch während der Kriegszeit zwischen den Bombenangriffen-.

Und da ist das einschneidende Erlebnis, denn ich war am Totensonntag morgens mit meiner Schwester Hanna im Kindergottesdienst. Mittags war Fliegeralarm und als wir den Luftschutzkeller verlassen konnten, hatte meine Mutter gehört, dass die Apostelkirche von Bomben zerstört worden war. Wie dankbar waren die Eltern, dass die Bomben nicht während des Gottesdienstes gefallen waren, denn dann wären noch mehr Tote zu beklagen gewesen. Sie können sich sicher vorstellen, was solch ein Ereignis in der Seele eines kleinen Kindes bewirkt hat.

Die zerstörte Kirche mit den Trümmern waren immer wieder ein Zeichen von Trauer, aber es gab auch gute freudige Ereignisse.

Der Chor der Apostelkirche sang immer am Kantate-Sonntag auf den Trümmern stehend Hoffnungslieder. Mein Vater und meine älteste Schwester Margret sangen im Chor und ich als kleines Mädchen stand von Ferne. Auf einem Bild bin ich im Vordergrund auch zu sehen.

Dies nun ein Ausflug in die „Alte Kirche“, denn diese sollte wieder aufgebaut werden. Meine Eltern diskutierten oft in der Familie, wie dass wohl mit den geringen Einkommen der Gemeindeglieder  möglich sei. Ich weiß, dass das meinen Eltern ein Gebetsanliegen gewesen ist. Geldmittel waren auch bei uns kaum möglich, aber  Eigenleistung ging natürlich. So wurden wir als Kinder angehalten Steine zu klopfen, um das alte Gemäuer mit den vorhandenen Steinen wieder aufzubauen.

 

Als ich 1949 in den Konfirmandenunterricht bei Superintendent Lohmann kam, wurden wir in den Unterrichtsjahren immer wieder darauf gestoßen an dem Wiederaufbau der Apostelkirche tatkräftig mit zu wirken. Übrigens war das für die meisten von uns selbstverständlich. Ein Mitkonfirmand rief mich dieser Tage an und berichtete mir, dass er von seinem geringen Lehrlingsgehalt immer monatlich einen Betrag für den Wiederbau der Kirche an die Kirchengemeinde gezahlt hat. Ist das nicht ein Einsatz für einen jungen Menschen!

Wie dankbar waren wir, dass das Presbyterium ebenfalls der Meinung war, dass die „Alte Kirche“ wieder aufgebaut werden sollte. Am 1. Advent 1952 war es dann endlich so weit. Ein Film von der Einweihung zeigt eindrücklich dieses Ereignis. Übrigens war in diesen Tagen in Bild von der Einweihung in der Zeitung. Etwas verdeckt ist meine Schwester Hanna und ich auch zu erkennen.

Eine Besonderheit zeichnet die Apostelkirche seit 1952 aus.

Der Turmraum ist seit 1952 täglich geöffnet. Ein Gedächtnisbuch erinnert an die gefallenen und vermissten Soldaten und auch an die Gütersloher  Menschen die im Bombenhagel  umgekommen sind. Es  ist einmalig in in Gütersloh, das eine evangelische Kirche zu Stille und Gebet geöffnet ist.


Wenn ich an die wiedererrichtete Apostelkirche denke, dann fallen mir ganz viele wunderbare Erlebnisse mit und in dieser Kirche  ein.

Ich will mich auf zwei Ereignisse beschränken, die mir gerade in den ersten Jahren des Wiederaufbaus in Erinnerung geblieben sind.

Vor 70 Jahren war ich schon aktiv in der Mädchenjugendarbeit. Wir hatten uns im Mitarbeiterkreis entschlossen, dass diese Kirche auch in der Woche genutzt werden sollte. Unsere wöchentlichen Morgenandachten am Freitag, morgens um 7 Uhr, verlegten wir in die Apostelkirche um den Tagesbeginn mit Lied, kleiner Ansprache und Gebet zu beginnen.

Das haben wir viele Jahre durchgehalten. Leider mussten wir diese Tradition aufgeben, weil der Schul- und Arbeitsbeginn am Morgen sehr unterschiedlich war.

Die Altjahresabendgottesdienste sind mir weiter  prägend  in Erinnerung geblieben,. Sie fanden immer um 23 Uhr am Silvesterabend statt.

Die Mädchenjugend hatte am Surenhofsweg ein Wochenendhaus, in dem wir immer das alte und das neue Jahr begannen. Es war für  uns selbstverständlich , dass wir bei Wind und Wetter zu Fuß vom Surenhofsweg die Kahlertstraße herunter marschierten um pünktlich um 23 Uhr  den Abendmahlsgottesdienst zu besuchen.

Ich weiß das es für mich sehr bewegend war, wenn wir Beichte und Abendmahl feierten, und all die eigene Schuld und Vergehen abladen konnten und mit der Zusage, dass Gott uns auch im neuen Jahr begleiten würde befreit unseren Rückweg anzutreten.

Selbstverständlich gingen wir an der Martin-Luther-Kirche vorbei um das Nachtsang-Leuten und das Posaunenblasen vom Turm anzuhören.

Die lauten Knaller haben diese gute Tradition in den späteren Jahren „einschlafen“ lassen.

Dies nur als einen kleinen Ausflug in die frühe Zeit der Zerstörung und des Wiederaufbaus der „Alten Kirche-Apostelkirche“.

Weil die Gemeinde wuchs wurden in den 50 und 60ziger Jahren in einigen Regionen  Güterslohs neue Kirche errichtet. Durch mein Engagement in der Jugendarbeit habe ich fast bei allen Einweihungen  der neu errichteten Kirchen, so z. B. der Johanneskirche, Epiphaniaskirche, Lukaskirche der Evangeliumskirche und der Kirche zum  guten Hirten bei Laienspielen mitgewirkt.

Doch für uns junge Menschen, blieb für uns die Apostelkirche die „Hauptkirche“. Hier trafen wir uns allen Gemeinden zum Gottesdienst oder besonderen Veranstaltungen.

 

Die Apostelkirche ist für mich bis heute eine unverzichtbare Kirche in meinem Glaubensleben. Ich kann mich an viele Jugendgottesdienste und Abendmahlsgottesdienste in dieser Kirche erinnern. Schön war es auch, dass diese Kirche weiter eine oekumenische Kirche gewesen ist. Die griechisch.-orthodoxe Gemeinde hatte in der Apostelkirche eine Heimat gefunden und als die Pankratiuskirche renoviert wurde, hat die katholische Gemeinde mit uns die Kirche gemeinsam genutzt. Da sind auch manche oekumenische Begegnungen in Erinnerungen geblieben.

 

Dies soll ein Streifzug der ersten Jahrzehnte des Wiederaufbaus der Apostelkirche sein, denn leider kamen die 90iger Jahre, die vielen von Ihnen in lebhafter Erinnerung sind.

Ich war lange Zeit schon Presbyterin, als im Presbyterium die Diskussion geführt wurde, Kirchen der Ev. Kirchengemeinde aus finanziellen Gründen aufzugeben. So stand auch die Apostelkirche unter dem „Rotstift“ im Fokus. Sie sollte an die griechisch-orthodoxe Gemeinde vermietet werden.

Am 11. Februar 1998 stand in der Zeitung:

Apostelkirche: Presbyterium will vermieten – Presbyterium schnürrt ‚Sparpaket“. Ein Aufschrei in Stadt und Gemeinde  „Gütersloher kämpfen für ihre „Apostelkirche“ Innerhalb kürzester Zeit kamen 350 Unterschriften gegen die Vermietung der Apostelkirche zusammen. Aufgrund dessen wurde eine Gemeindeversammlung abgehalten die dann letztendlich eine neue Richtung für die Zukunft der Apostelkirche gab.

 

Wir gründeten durch das Engagement der Eheleute Felchner einen Förderverein zur Erhaltung unserer historischen Kirchen Apostelkirche und Martin-Luther-Kirche. Durch einen Vertrag mit dem Förderverein wurde zugesichert, dass für 10 Jahre jährlich ein Betrag von 1000000.-- DM der Ev. Kirche aufgebracht werden sollte. In kurzer Zeit waren es bereits 185 Mitglieder, die sich für diesen hohen Betrag zur Verfügung stellen wollten.

18 Jahre ist der Förderverein aktiv gewesen und hat jährlich diesen Betrag aufgebracht. Dies konnte natürlich nur dadurch geschehen, dass viele Veranstaltungen wie Ausstellungen Vorträge Konzerte und vieles mehr zusätzlich zu den Mitgliedsbeiträgen die Kosten zusammen kamen.

Viele dieser Veranstaltungen sind mir in lebendiger Erinnerung geblieben.

Ich bin in den 18 Jahren im Vorstand des Fördervereins gewesen und habe mich mit ganzer Kraft für den Erhalt unserer Apostelkirche  eingesetzt.

 

Wichtig ist mir bis heute, dass diese Kirche nicht nur ein Denkmal ist, sondern geistliches Leben in dieser Kirche zum Ausdruck kommt.

 

Geschrieben von Lieselotte Döring

 

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Unter der Telefonnummer 05241/ 8677927  ist jede Woche eine neue Andacht der Krankenhauspfarrerin Annette Kleine am Telefon zu hören.


Das neue Angebot der Ev. Krankenhausseelsorge Gütersloh richtet sich nicht nur an Patientinnen und Patienten, sondern an alle, vor allem an die Menschen, die sich mit dem Internet schwer tun oder überhaupt lieber telefonieren.

Zu der Andacht, die zwischen 5-10 Minuten dauert (zum Tarif eines Ortsgesprächs), gibt es oft auch Kirchenmusik.
Sie ist nicht nur sonntags, sondern die ganze Woche über zu hören.

Zwei Jahre hat das Presbyterium als Leitungsgremium der Evangelischen Kirchengemeinde Gütersloh intensiv über die zukünftige Gestalt der Kirchengemeinde beraten. Immer wieder wurden Überlegungen, Zwischenschritte und Szenarien öffentlich gemacht. Aus der Gemeinde, von Gruppen und Einzelnen, aber auch von Menschen jenseits der Kirchengemeinde kamen wertvolle Anregungen, die das Presbyterium aufgenommen und bedacht hat.

In einer Klausurtagung am 10. September 2022 hat das Presbyterium einen weiteren Schritt in Rahmen seines Zukunftsprozesses unternommen und wesentliche Entscheidungen für die Zukunft getroffen. Dabei ist das Jahr 2032 im Blick. Bis dahin sollen folgende Vorhaben umgesetzt sein:

  1. Konzentration auf Schwerpunkte
  • Die Ressourcen der Evangelischen Kirchengemeinde reichen künftig nicht mehr aus, die Arbeit wie bisher an allen kirchlichen Standorten und in allen Arbeitsgebieten weiter zu führen. Statt sich in ständigem Rückzug zu erschöpfen, setzt die Evangelische Kirchengemeinde künftig Schwerpunkte für ihre Arbeit. Sie möchte das, was sie macht, gut und mit ausreichender Ausstattung tun. Dafür muss sie anderes lassen. Und: sie möchte Freiräume für kirchliche Neuaufbrüche schaffen.
  • An den kirchlichen Orten, die sie behält, wird die Evangelische Kirchengemeinde Gütersloh jeweils einen oder mehrere Schwerpunkte setzen und mit personalen und finanziellen Ressourcen ausstatten: An der Martin-Lutherkirche sollen Stadtkirchenarbeit und Musik einen Schwerpunkt bilden, an der Erlöserkirche in Verbindung mit dem CVJM-Haus die Konfi- und Jugendarbeit und an der Matthäuskirche die Familienarbeit.
  • An diesen kirchlichen Orten kann und soll sich dann selbstorganisiert weiteres kirchliches Leben, Gruppen und Initiativen andocken.
  • Es wird in der zukünftigen Struktur der Evangelischen Kirchengemeinde keine Gemeinderegionen mehr geben. Gleichwohl bleibt es bei einer Zuordnung von Gemeindegliedern zu Pfarrpersonen in Seelsorgebezirken.

 

2.  Aufgeben der Nutzung und Finanzierung kirchlicher Standorte

  • Die Evangelische Kirchengemeinde hat das Ziel, bis 2032 die folgenden Standorte nicht mehr in eigener Verantwortung zu nutzen und aus Haushaltsmitteln zu bezahlen: Apostelkirche, Johanneskirche, Kirche zum Guten Hirten (für die Evangeliumskirche wird überlegt, ob sie als Columbarium genutzt werden kann). Diese Entscheidung ist schmerzlich und erfordert Begleitung und Trauerarbeit der davon besonders betroffenen Menschen.
  • Was zu welchem Zeitpunkt mit den Gebäuden geschehen wird, welche Formen einer Nachnutzung möglich sind und wie Übergänge gestaltet werden: all das soll in einer Umsetzungsphase sorgfältig und im Dialog mit den Betroffenen erarbeitet werden. Dies wird der nächste Schritt im Zukunftsprozess sein. Beteiligung aus der Stadtgesellschaft ist erwünscht.

 

3. Neuaufbruch in der Bewegung zu den Menschen

  • Die Evangelische Kirchengemeinde möchte Initiativen kirchlichen Lebens in den Stadtteilen unterstützen. Orte dafür können Kindergärten, Schulen, Vereinsheime und andere Häuser sein. Eine Kooperation mit anderen Konfessionen, Religionen und Initiativen ist dabei ausdrücklich gewünscht. Ebenso die kreative Mitarbeit möglichst vieler Menschen vor Ort.

Wir freuen uns über Rückmeldungen, Fragen, Ideen im Gespräch oder  unter der mail-Adresse: zukunft@ekgt.de

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