Andacht von Pfarrer Christian Feuerbaum für Sonntag Miserikordias Domini (26.April 2020) - Evangelische Kirchengemeinde Gütersloh

Nähen Sie auch schon? Immer mehr Menschen entdecken das Nähen für sich. Ist ja jetzt auch mehr Zeit als sonst dafür. Genäht wird nicht irgendetwas. Genäht wird ein Tuch für Nase und Mund. Die eigene und die Gesundheit der anderen soll besser geschützt werden. So die Theorie und hoffentlich auch die Praxis. Corona fordert von uns nicht nur die gebotene Zurückhaltung und Distanz, sondern jetzt auch handwerkliches Geschick mit Nadel und Faden und Kreativität. Wäre doch langweilig, wenn alle die gleichen und grauen Tücher vor Mund und Nase hätten. Einige verwenden bunte oder bedruckte Stoffe, andere schreiben auf die Tücher, worum es geht: „Safety first“ oder „Save the live“. Ein Tuch vor Mund und Nase kann Leben retten.

Ein besonderes Tuch hängt zurzeit über dem großen Kreuz in der Apostel­kirche. Mit der Corona-Pandemie hat das nichts zu tun. Und doch geht es bei diesem Tuch auch um die Bewahrung des Lebens. Es hängt in der Osterzeit über dem Kreuz und erinnert an das von Jesus in seinem Grab zurückgelassene Tuch nach seiner Auferstehung. In unserer Kirche ist es wie ein Bekenntnis: Christus wurde gekreuzigt, am dritten Tag auferweckt und hat das Totentuch hinter sich und zurückgelassen. Er lebt und auch wir werden leben.

Der 26. April 2020 ist der Sonntag vom guten Hirten. Die Texte, die für die Gottesdienste an diesem Tag vorgesehen sind, erzählen in einem Bild von Jesus als dem guten Hirten, der bewahrt und schützt; der durch dunkle Täler und an frisches Wasser führt; der bereit ist, sein Leben für die Bewahrung des Lebens der ihm anvertrauten Geschöpfe zu geben, egal wie schmerzhaft das für ihn selber ist. Seine Aufgabe als guter Hirte hat ein Ziel: „Ich gebe ihnen das ewige Leben, und sie werden nimmermehr umkommen, und niemand wird sie aus meiner Hand reißen.“

Das Tuch über dem großen Kreuz in unserer Kirche: Es erinnert an die Bewahrung unseres Lebens. Unsichtbar steht auf ihm geschrieben „Save the live“: Schütze das Leben - dein Leben; vertraue dem guten Hirten. Er führt dich durch dunkle Täler. Gutes und Barmherzigkeit werden dir folgen dein Leben lang. Du wirst in seinem Hause immer bleiben.

In den kommenden Wochen werden immer mehr Menschen ein Tuch vor Mund und Nase tragen. Es wird zu einem dauerhaften Begleiter in unserem Alltag werden. Mit ihm will ich das Leben schützen. Mit ihm will ich auch an das weiße Tuch über dem Kreuz in unserer Kirche denken und mich erinnern: Der Herr ist auferstanden. Er bewahrt mein Leben.

 

Gebete und Texte für den Sonntag vom guten Hirten

Psalm 23

Der HERR ist mein Hirte,
mir wird nichts mangeln.
Er weidet mich auf einer grünen Aue
und führet mich zum frischen Wasser.
Er erquicket meine Seele.
Er führet mich auf rechter Straße um seines Namens willen.
Und ob ich schon wanderte im finstern Tal,
fürchte ich kein Unglück;
denn du bist bei mir,
dein Stecken und Stab trösten mich.
Du bereitest vor mir einen Tisch
im Angesicht meiner Feinde.
Du salbest mein Haupt mit Öl
und schenkest mir voll ein.
Gutes und Barmherzigkeit werden mir folgen mein Leben lang,
und ich werde bleiben im Hause des HERRN immerdar.

 

Evangelium nach Johannes 10 i.A.

Christus spricht:
Ich bin der gute Hirte. Der gute Hirte lässt sein Leben für die Schafe.

Der Mietling, der nicht Hirte ist, dem die Schafe nicht gehören, sieht den Wolf kommen und verlässt die Schafe und flieht - und der Wolf stürzt sich auf die Schafe und zerstreut sie -, denn er ist ein Mietling und kümmert sich nicht um die Schafe.

Ich bin der gute Hirte und kenne die Meinen und die Meinen kennen mich,
wie mich mein Vater kennt; und ich kenne den Vater. Und ich lasse mein Leben für die Schafe.

Und ich habe noch andere Schafe, die sind nicht aus diesem Stall; auch sie muss ich herführen, und sie werden meine Stimme hören, und es wird eine Herde und ein Hirte werden.

Meine Schafe hören meine Stimme, und ich kenne sie und sie folgen mir;
und ich gebe ihnen das ewige Leben, und sie werden nimmermehr umkommen, und niemand wird sie aus meiner Hand reißen.

Was mir mein Vater gegeben hat, ist größer als alles, und niemand kann es aus des Vaters Hand reißen. Ich und der Vater sind eins.

 

Predigttext 1. Petrusbrief 2, 21-25

Christus hat für euch gelitten und euch ein Vorbild hinterlassen,
dass ihr sollt nachfolgen seinen Fußstapfen;
er, der keine Sünde getan hat und in dessen Mund sich kein Betrug fand;
der, als er geschmäht wurde, die Schmähung nicht erwiderte,
nicht drohte, als er litt,
es aber dem anheimstellte, der gerecht richtet;
der unsre Sünden selbst hinaufgetragen hat an seinem Leibe auf das Holz,
damit wir, den Sünden abgestorben, der Gerechtigkeit leben.
Durch seine Wunden seid ihr heil geworden.
Denn ihr wart wie irrende Schafe;
aber ihr seid nun umgekehrt zu dem Hirten und Bischof eurer Seelen.

 

Fürbitten

Jesus, du bist der gute Hirte,
der uns durch das Leben führt und es bewahrt.
Wir bitten dich.

Viele Menschen in unserem Land und in der ganzen Welt sind erkrankt.
Für sie bitten wir dich: Herr, erbarme dich.

Viele Menschen sterben in diesen Wochen. Angehörige verzweifeln.
Für sie bitten wir dich: Herr, erbarme dich.

Ärzte und Pflegerinnen sorgen sich um die ihnen anvertrauten Menschen.
Viel Arbeit und Verantwortung lastet auf ihnen.
Für sie bitten wir dich: Herr, erbarme dich.

Verantwortliche in Regierung und Wirtschaft haben weitreichende Entscheidungen zum Wohl der Menschen zu treffen.
Für sie bitten wir dich: Herr, erbarme dich.

Seit Wochen regnet es nicht mehr. Die Böden sind ausgetrocknet.
Bäume und Pflanzen können nicht gedeihen oder drohen abzusterben.
Wir bitten dich: Herr, erbarme dich.

Nach wie vor müssen Menschen ihre Heimat wegen Krieg oder Hunger verlassen.
Für sie bitten wir dich: Herr, erbarme dich.

Jesus, du bist der gute Hirte,
der uns durch das Leben führt und es bewahrt.
Wir beten mit deinen Worten:

Vater unser im Himmel,
geheiligt werde dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe,
wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute,
und vergib uns unsre Schuld,
wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich
und die Kraft
und die Herrlichkeit
in Ewigkeit. Amen.

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Pfarrer Christian Feuerbaum

Apostelkirche

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