„Wenn einer eine Reise macht …“

Seit 39 Jahren ist unser Kirchenkreis Gütersloh durch eine Partnerschaft mit den beiden Kirchenkreisen Kyerwa und Murongo in Tansania verbunden. Sie sind Teil der Karagwe-Diözese im Länderdreieck zu Uganda und Ruanda.

Vom 24. Juni bis zum 10. Juli sind wir mit 4 Mitgliedern aus unserem Tansania-Arbeitskreis dort gewesen und haben unsere Partner besucht.

Welche Eindrücke haben wir mitgebracht?

Das Alltagsleben

Da ist als Erstes die Freundlichkeit und die Offenheit der Menschen zu nennen. In jeder Kirche und auch in jedem Privathaus sind wir mit offenen Armen und offenen Herzen empfangen worden.

Dann fällt uns Deutschen auf, dass es in vielen Gegenden unserer Partner noch keinen Strom gibt. Der Ausbau schreitet aber seit einigen Jahren stetig voran.

Wie wertvoll Wasser ist – und dass es eben nicht aus dem Hahn kommt – haben wir gelernt. Wer keinen Wassertank am Haus hat, der in den beiden Regenzeiten mit dem Wasser vom Dach gespeist wird, muss oft über zwei Stunden am Tag laufen, um Wasser zu holen. Wer es sich leisten kann, lässt es sich per Fahrrad liefern. Bis zu 120 Liter werden mit dem Rad transportiert.

Gekocht wird auch in Haushalten, in denen es schon Strom gibt, in der Regel mit Holz.

 

Die allermeisten Straßen im Gebiet unserer Partner sind aus roter Erde und rotem Staub. Doch auch der Straßenbau schreitet voran.

Und jede Familie hat ihr kleines Feld um ihr Haus herum. Dort werden Kochbananen angebaut – und auch Bohnen oder Erdnüsse und anderes Gemüse. Und zwischen den Bananen stehen Kaffeesträucher. Ihre Früchte werden verkauft und sind für viele Familien eine wichtige Einnahmequelle. Hühner und ein Schwein gehören ebenfalls häufig zu der „Tschamba“ der Familie. Auch die Pfarrerinnen und Pfarrer leben von ihrer kleinen Landwirtschaft (und nicht von ihrem Verdienst).

Bildung ist ein ganz großes Thema. Denn Bildung kostet Geld. Schulgebühren, Schuluniformen und Bücher müssen von den Familien aufgebracht werden. Wir haben von einer Pfarrfamilie gehört, dass dem Gehalt von gut 110 € im Monat knapp 250 € Schulgebühren für die 4 Kinder gegenüber stehen.

Ja, das Leben unserer Partnerinnen und Partner ist ein ganz anderes als unseres hier in Deutschland.

Die Gemeinden

Auch „Kirche“ läuft in Tansania ganz anders als bei uns.

Zu einer Gemeinde gehören im Schnitt 5 – 8 Kirchen. In den einzelnen Kirchen halten Evangelistinnen und Evangelisten die Gottesdienste, die Kindergottesdienste und die Konfirmationskurse. Auch für die Seelsorge sind sie zuständig. Sie sind in zwei Jahren an der Evangelisten-Schule für diese Aufgaben ausgebildet worden. Eine Pfarrerin oder ein Pfarrer leitet die Gemeinde mit den unterschiedlichen Kirchen und ist für die Sakramente und Amtshandlungen (Taufe, Abendmahl, Hochzeiten und Beerdigungen) zuständig.

Zum Kirchenkreis Kyerwa gehören zurzeit 8 Gemeinden – und zum kleinen Kirchenkreis Murongo 3 Gemeinden, aber die Gründung einer vierten Gemeinde ist in Planung.

Und damit bin ich bei einem Thema, das uns vielleicht am meisten beeindruckt hat.
Bei uns schrumpfen die Gemeindegliederzahlen. Wir trennen uns von Kirchen und die Zahl der Pfarrstellen geht zurück.
In Tansania wachsen die Gemeinden. Überall entstehen neue Kirchen – oder vorhandene werden erweitert, damit alle Gemeindeglieder in ihnen Platz finden.

Und dann die Gottesdienste! Es sind immer auch auffallend viele Kinder da. Neben Evangelisten und Pfarrern sind die Chöre sehr wichtig. Manche Gemeinde hat neben dem gemischten Chor auch noch einen reinen Männerchor und einen Jugendchor. Und ihr Gesang ist so mitreißend, dass man einfach nicht still sitzen bleiben kann. Diese Chöre hätten wir am liebsten im Handgepäck mit nach Hause genommen.

Wir haben mehrere Kirchen gesehen, die gerade gebaut werden. Die größte unter ihnen wird einmal Platz für 1.000 Gottesdienstbesucher*innen bieten. Und wie diese Kirchen gebaut werden, ist spannend und zeugt vom großen Gottvertrauen der Menschen.

Mit dem ersten Geld wird ein Fundament gelegt. Im zweiten Schritt werden darauf die Außenmauern bis zur Fensterunterkante hochgezogen.

Nach der nächsten Ernte, wenn wieder Geld da ist, wird bis Fensteroberkante gemauert. Noch steht innen drin das Gras kniehoch. Irgendwann kommt ein Wellblechdach drauf, Fenster und Türen werden eingesetzt, der Fußboden wird befestigt und die Wände werden verputzt.

Das alles kann schon einmal 6 oder 8 Jahre dauern. Aber die neuen Kirchen werden alle fertig.

Wo wir helfen

Natürlich gehört zu einer Partnerschaft auch, dass man seine finanziellen Möglichkeiten miteinander teilt. So haben wir in den letzten Jahren so manches Kirchendach oder so manchen Wassertank an einer Kirche oder einem Pfarrhaus finanziert. Außerdem übernehmen wir für Kinder aus armen Familien die Ausbildungskosten im Jugendausbildungszentrum Nkwenda, unterstützen eine Gesundheitsstation, helfen bei Projekten mit Aids-Waisen oder unterstützen Frauenprojekte, die den Frauengruppen langfristig ein Einkommen sichern (wie z. B. eine Maismühle).

Wenn Sie diese Arbeit ebenfalls unterstützen möchten, können Sie es mit einer Spende tun:

  • Evangelischer Kirchenkreis Gütersloh
    DE 66 3506 0190 2001 1180 32
    Verwendungszweck: Spende Tansania

Herzlichen Dank !

Die Partnerschaft geht weiter

In zwei oder drei Jahren werden wir dann im Kirchenkreis Gütersloh eine Delegation aus Tansania empfangen. So machen wir es seit 39 Jahren. Besuch und Gegenbesuch gehören zusammen. Denn unsere Partnerschaft soll keine einseitige sein.

So haben wir in diesem Jahr in Tansania viele Menschen wiedergetroffen, die schon bei uns waren. Und beim nächsten Gegenbesuch wird es hier bei uns genauso sein. Partnerschaft braucht solche Begegnungen.

Und wenn unsere Gäste zu uns kommen, laden Sie sie doch einfach in Ihre Kirche oder Ihre Gemeindegruppe ein und begegnen ihnen so ganz persönlich.

Und wenn Sie einen oder mehrere Gäste für ein paar Tage zu sich nach Hause einladen wollen, kann dies gerne geschehen. Sprechen Sie doch einfach Pastor Klein aus Gütersloh oder die anderen Mitglieder vom Tansania-Arbeitskreis an. Wir vermitteln das gerne.

Asante sana – Herzlichen Dank.
Für die Reisegruppe 2019,
Ulrich Klein, Pfr.