Vorsitzwechsel im Presbyterium - Evangelische Kirchengemeinde Gütersloh

Fromm, prophetisch, dialogisch!

Ich finde unsere Kirchengemeinde toll. So viel kreative Lebendigkeit an den verschiedensten
Orten der Stadt. Soviel Einsatz, Treue, Beten, Erzählen, Handeln, Musizieren. So viele
engagierte Menschen. Und: Ich finde unsere Kirchengemeinde lau. So wenig Feuer und
Leidenschaft. So viele Empfindlichkeiten, soviel Beharrungsvermögen und Ängstlichkeit.
Beides ist da - und noch ganz viele Zwischentöne und Schattierungen. So sind wir unterwegs
als Kirche in Gütersloh. Corona hat uns ausgebremst in den letzten Monaten und
wird das weiter tun. Unsere finanziellen Spielräume werden ohnehin schon enger und
Corona setzt da noch kräftig einen drauf, so die Prognose. Doch ein Blick auf unsere
Schwesterkirchen in der Welt zeigt: Wir sind materiell immer noch unglaublich reich und
privilegiert – und wir haben in jeder Hinsicht viele Möglichkeiten.

Unsere Gemeinde wird sich verändern in den nächsten Jahren. Ja! Wir werden neu aufbrechen.
Und Aufbruch gehört zu unserer biblischen DNA. Schon Abraham und Sarah ließen
sich von Gott bewegen, ihre Heimat zu verlassen – im Vertrauen auf sein doppeltes Versprechen:
Ich zeige Euch das neue Land und Ich mache Euch zum Segen. Mir macht das
Mut, aufzubrechen. Diesen Mut werden wir brauchen und gleichzeitig Mut zum Lassen:
Wir müssen nicht überall alles machen. Es ist ausreichend, als Kirche an einigen Stellen
da zu sein – mit Lust, Atem und einer gewissen Leichtigkeit und Spielfreude.

Ich wünsche mir eine Kirche hier in Gütersloh, die fromm ist, prophetisch und dialogisch.
Fromm im Hören auf den Ruf Gottes. Dazu braucht es Stille und Gebet und ein Aushalten
der Ungewissheit. Dafür die Räume zu öffnen, das könnte unser Geschenk an diese Stadt
sein. Prophetisch in ihrem Einsatz für Klimaschutz und Menschenwürde. Was für ein
Zeichen, dass die Sea-Watch 4, die wir unterstützen, jetzt im Mittelmeer Menschenleben
rettet. Und dialogisch in unsere Stadtgesellschaft hinein: interessiert, fragend, vielleicht
auch provozierend und auf Augenhöhe suchend um Wahrheit ringend.

Ich freue mich, dass ich in dieser besonderen Zeit den Vorsitz im Presbyterium übernommen
habe. Und ich bin froh, dass wir im Team arbeiten: mit den Kirchmeistern und
Presbyter*innen in der Leitung und mit so vielen Menschen, die sich haupt-, neben- und
ehrenamtlich engagieren. Meinem Vorgänger, Pfarrer Eckhard Heidemann, danke ich für
seine Arbeit.

Anne Strotmann: „Wenn unsere Füße den Boden des Vertrauten verlassen, werden wir
spüren, wo der Geist Gottes weht. Vielleicht werden wir zu spirituellen Nomadinnen,
werden Geschichten erzählen, suchen und tasten, das Feuer lebendig halten – Salz der
Erde sein“ Ja!!

Ihr Pfarrer Stefan Salzmann

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