Adventssingen, die wohl älteste Gütersloher Tradition

Möchten auch Sie die Stadt an den Adventsonntagen mit Adventsliedern bereichern und den wunderbaren Brauch pflegen? Dann melden Sie sich bei Herbert Flöttmann (Tel. 78307) Er und die Adventssängergruppen, die in den verschiedenen Bezirken Sonntagmorgens Adventslieder singen, freuen sich über SängerInnen, damit diese wunderbare Tradition weiterleben kann. 

Vor mehr als 200 Jahren, als Gütersloh noch mehr Dorf als Stadt war, da gab es einen Nachtwächter, der Abend für Abend seine Runden zog und den Eintritt der Nacht durch Hornsignale anzeigte. Nur an den Adventssonntagen, am ersten Sonntag nach Weihnachten und in der Neujahrsnacht wurde die tägliche Routine unterbrochen. Dann holte sich der Nachtwächter einige Freunde zusammen, die abends um 22.00 Uhr einen Choral sangen. Erst wenn der Nachtwächter sein Signal gab, zog die Gruppe an eine andere Stelle weiter, um dort wieder ihr Lied zu singen. An jedem Adventssonntag wurde ein anderes Lied gesungen (z.B. „Willkommen Quell der Freuden“ oder „Ach wie laufen doch die Jahre“)

Eine besondere Tradition gab es für die Neujahrsnacht. Dann versammelte sich eine große Menschenmenge vor dem Rathaus und wenn die Turmuhr 0.00 Uhr schlug ertönte der Pfiff des Nachtwächters und er sprach den Vers: „Nun treten wir ins neue Jahr, Herr Jesu Christ uns auch  bewahr“. Die Menschenmenge antwortete mit dem Choral: „Hilf Herr Jesu laß gelingen…“ Mit der Zeit kamen an den Adventssonntagen zum Nachtwächter und seinen Freunden immer mehr Männer hinzu, auch Männer die den Sonntag im Wirtshaus verbracht hatten und deutlich angetrunken waren. Dadurch kam das „Adventssingen“, damals „Wächtersingen“ genannt leider in Verruf. Die Stadtoberen überlegten  daraufhin, das Wächtersingen zu verbieten. 1875 nahm sich der Evangelische Jünglingsverein der Sache an, aber auch ihm gelang es nicht, die Störungen zu beenden. Erst die gewitzte Taktik von Pastor Huyssen das „Wächtersingen“ von Abends 22.00 Uhr auf morgens 5.00 Uhr zu verlegen, führte zu einer erfolgreichen Lösung. Während des  Nationalsozialismus versuchte ein besonders parteitreuer Polizist, den christlichen Brauch zu verhindern, indem er die Sänger kurzerhand als Ruhestörer verhaften ließ. Durch das Eingreifen von Bürgermeister Brauer konnte das Singen aber im Dritten Reich fortgesetzt werden. Die kleiner werdende Männerschar während der Kriegszeit wurde durch Frauen und Mädchen ergänzt. Auch heute sind Frauen und Männer bei den Adventssängern erfreulicherweise keine Seltenheit mehr.

 

Adventssängergruppen gibt es in den Bezirken Epiphanias, Erlöser, Evangeliumskirche, Jakobus, Johanniskirche, Markus, Matthäuskirche, Stadtmitte, Trinitatis und Zum Guten Hirten. Treffpunkt und Uhrzeit können Sie  bei Herrn Flöttmann, Tel. 78307, erfragen. Alle Gruppen freuen sich über weitere Sänger und Sängerinnen, damit diese wunderbare Tradition weiterlebt.

Folgende Adventslieder werden gesungen:

"Wie soll ich dich empfangen“ (1. Advent), "Macht hoch die Tür“ (2. Advent), "Mit Ernst oh Menschenkinder“ (3. Advent), "Tochter Zion“ (4. Advent) und „Hilf Herr Jesu laß gelingen“ (Neujahr)

About Author