Am 16. Juni - immer genau eine Woche nach Pfingsten - ist in diesem Jahr der Sonntag mit dem Namen „Trinitatis“. Übersetzt heißt dieses Wort: „Dreieinigkeit“. An diesem Sonntag feiern wir unseren Gott als „Vater“, „Sohn“ und „Heiligen Geist“.
Jetzt könnte man fragen: „Haben wir also drei Götter, die wir anbeten ?“
Das ist nicht so. Als Christinnen und Christen haben wir nur einen Gott. Aber wie können wir uns Gott vorstellen ? Wie können wir erfassen, wer Gott ist und wie er für uns erfahrbar wird ?
Eine kleine Geschichte kann uns helfen, uns der Lösung dieser scheinbaren Widersprüche zu nähern.
„Drei Blinde, die noch nie etwas von einem Elefanten gehört haben – und natürlich auch noch nie einen gesehen haben – sollen beschreiben, was ein Elefant ist. Der eine tastet ein Bein herauf und sagt: ‚Ein Elefant ist wie ein dicker, kräftiger Baumstamm, der aus dem Boden herauswächst.‘ Der zweite widerspricht. Er tastet gerade den Rüssel ab und sagt: ‚Ein Elefant ist wie ein dickes, bewegliches Rohr, durch das Luft geblasen wird.‘ Und der dritte widerspricht seinen beiden Vorrednern. Er tastet gerade an einem Ohr und sagt: ‚Ein Elefant ist wie ein großes Blatt, das sich bewegt und Wind erzeugt.‘ Wer von den dreien hat Recht ? Und haben sie auch nur ansatzweise verstanden, was ein Elefant ist ?“
Soweit diese kleine Geschichte.
Wenn wir uns mit ihrer Hilfe der Frage nähern, wer Gott ist, können wir eigentlich nur sagen: Wir können ihn in seiner Größe und seiner Tiefe noch viel weniger erfassen als die drei Blinden den Elefanten. Jeder von ihnen hat Recht, aber was ein Elefant ist, wissen sie noch lange nicht.
Und wenn wir von Gott als dem Vater ( und der Mutter ), dem Sohn (Jesus) und dem Heiligen Geist sprechen, dann verbinden wir mit jeder der Personen der Trinität einen Aspekt von Gott.
  • Der „Vater“ steht für den Schöpfergott, auf den dieses ganze Universum und auch unser eigenes Leben zurückgeht.
  • Der „Sohn“ steht für die vergebende Liebe Gottes zu uns. Denn in Jesus ist Gott selbst zu uns gekommen, um uns spüren zu lassen, wie wichtig wir ihm sind. Und Jesus hat vorgelebt, wie nach Gottes Willen menschliches Leben gelingen kann.
  • Und der „Heilige Geist“ steht für die Seite Gottes, mit der er uns bis heute nahe sein will. Sein Geist verbindet uns auch als Kirche und als Gemeinde und lässt uns untereinander Geschwister im Glauben sein.
Das sind drei Versuche zu beschreiben, wer Gott für uns ist. Aber „erfassen“ können wir ihn damit in seiner Größe nicht. Doch der Gedanke vom Dreieinen Gott ist eine Annäherung und eine Hilfe. Nach Weihnachten, Karfreitag, Ostern und Pfingsten kommt dieser Feiertag, der zusammenfasst, was wir im Kirchenjahr bisher gefeiert haben.
Und genauso ist auch unser Glaubensbekenntnis aufgebaut: im ersten Teil ist von Gott als Vater und Schöpfer die Rede. Im zweiten Teil geht es um Jesus und seinen Weg bis zur Auferstehung. Und im dritten Teil geht es um den Heiligen Geist, der uns Gemeinde sein lässt und auch uns die Hoffnung auf die Auferstehung gibt.
„Trinitatis“ – der Gedanke der „Dreieinigkeit“ – fasst also zusammen, was wir glauben. Es ist der Versuch, sich Gott von drei unterschiedlichen Seiten zu nähern und etwas in Worte und Gedanken zu fassen, was wir als Ganzes nicht erfassen können.
Im Kirchenkreis Gütersloh denken wir seit vielen Jahrzehnten an diesem Tag auch an die Partnerschaft, die wir mit zwei Kirchenkreisen in Tansania haben. Und der Sonntag Trinitatis ist traditionell auch der Tag, an dem unser Schwestergemeinde Heilig-Geist ihr Pfarrgemeindefest feiert.
Sie sehen also, dieser Sonntag darf nicht vergessen werden, sondern es lohnt sich, ihn ganz bewusst zu begehen.

Darauf freuen sich

Erika Engelbrecht    und     Ulrich Klein