Der Jahreswechsel ist eigentlich kein ursprünglich christliches Fest. Ihn zu „finden“ und zu verstehen bemühen die Menschen sich allerdings seit Urzeiten.

Die alten Ägypter maßen die Jahre und die wiederkehrenden Zeiten an der jährlichen Überschwemmung des Nils. Daran richteten sie die Bestellung ihrer Felder aus. Deshalb war es die Aufgabe mehrerer hoher Beamte dieses Naturphänomen genaustens zu beobachten und zu dokumentieren.

Auch die Völker Süd- und Mittelamerikas, die Inka, Maja und Azteken, beobachteten mit erstaunlicher Genauigkeit den Wechsel der Jahreszeiten und erstellten präzise Kalender, die ihnen halfen die beste Zeit für Saat und Ernte im Jahr zu finden.

Und neben der Erstellung von Kalendern, die helfen sollten das Leben einzuteilen und die Landwirtschaft zu optimieren, galt das Interessen der Menschen von Alters her auch der Beobachtung von Sonne, Mond und Sternen. Es stellte sich nämlich heraus, dass sich der Ablauf der Zeit und der Jahreszeiten auch an den Sternen ablesen lässt. Und weil in sie geheime Kräfte hineininterpretiert wurden, richteten sie ihre Tempel und religiösen Bauten z. B. nach der Sonne oder den Gestirnen aus. Sie dachten: Wer die Zeit beherrscht, der beherrscht auch diese Erde und das Leben auf ihr.

Und wir? Warum feiern wir in unseren Kirchen den Jahreswechsel? Wir tun es im Bewusstsein, dass alle Zeit von Gott herkommt. Er schenkt sie uns. Deshalb ist für uns der Altjahresabend ein Tag des Rückblicks auf die geschenkte Zeit des letzten Jahres – auf Gelungenes, aber auch auf das, was belastet hat oder was fehlgeschlagen ist. Dankbar dürfen wir all das Gute des zu Ende gehenden Jahres in Gottes Hände zurücklegen – und das Schwere des Jahres ebenfalls. Gott trägt beides. Wir tun dies mit dem Silvestergottesdienst.

Und am Neujahrstag dürfen wir uns öffnen für neu geschenkte Zeit. Und wir dürfen Gott um seine Begleitung und seinen Schutz bitten. Wir tun dies im Neujahrsgottesdienst.

Für uns hat die Zeit „an und für sich“ nichts Magisches an sich. Für uns sind Silvester und Neujahr zwei Tage im Jahr, die uns in besonderer Weise daran erinnern, dass wir die Zeit nicht in unseren Händen haben, sondern dass sie immer ein Geschenk Gottes an uns ist – ein Geschenk, das wir auch nicht festhalten oder beliebig verlängern können.

Deshalb ist es auch gut, dass wir diese beiden Tage mit Gottesdiensten begehen.

In diesem Sinne nicht nur ein gesegnetes Weihnachtsfest, sondern auch ein gesegnetes Neues Jahr 2020 wünschen Ihnen

Erika Engelbrecht          Ulrich Klein