Auf ein Wort

  • "... ja, das liebe Wetter ...!"

    „Gäbe es das Wetter mit seinen oft so launischen und unbeständigen Seiten nicht, hätten wir Menschen nichts, worüber wir uns unterhalten könnten.“ – manchmal habe ich den Eindruck, dass an diesem Satz etwas Wahres dran ist.

    Und so will ich jetzt auch etwas über das Wetter erzählen.

    „Ein Bauer beklagt sich beim lieben Gott darüber, dass dieser wohl gar nicht wüsste, wie das mit dem Wetter für ihn als Landwirt am besten wäre. ‚Also gut‘, sagte Gott, ‚dann machst du das im nächsten Jahr mit dem Wetter einmal alleine.‘ Gesagt – getan. Und der Bauer ließ es im Winter richtig kalt werden, so dass die Schädlinge sich nicht gut vermehren konnten. Dann das Frühjahr: kühl und nass – und mit genügend Sonne. Dann die Wärme des Sommers mit dem warmen Regen, der die Früchte des Feldes richtig reifen ließ. Und schließlich zur Ernte die Trockenheit, die hilfreich war. Doch als der Bauer im Herbst ernten wollte, stellte er fest, dass alle Ähren hohl waren, also ohne Körner. Entsetzt begriff er: Er hatte den Wind zur Bestäubung vergessen. Reumütig ließ er im nächsten Jahr Gott wieder das Wetter machen.“

    Eine Geschichte, die zu Erntedank passt. Dieses Fest feiern wir in diesem Jahr wieder mit einem Gottesdienst und anschließendem Mittagessen.  Aber es ist auch eine Geschichte, die mich in doppelter Weise zum Nachdenken anregt:

    • Zum einen lehrt sie mich ein wenig demütiger durchs Leben zu gehen. Denn diese Welt und alles, was uns auf ihr leben lässt, haben wir nicht in unseren Händen. Diese Erde ist uns von Gott nur anvertraut, damit wir sie „bebauen und bewahren“, wie es schon auf den ersten Seiten der Bibel heißt.
    • Und zum anderen lässt sie mich erkennen, wie viel wir durch unsere Art zu leben auf dieser Erde verändern und vielfach auch unwiederbringlich zerstören. Das Wort „Klimawandel“ beschreibt einen Aspekt unseres unguten Handelns.

    Vielleicht sollten wir uns ebenfalls wieder reumütig an Gott wenden und ihn machen lassen – und uns mit dem „Bebauen und Bewahren“ begnügen, das uns dann auch in Zukunft jedes Jahr neu von Herzen Erntedank feiern lässt.

    In diesem Sinne grüßt Sie Ihr Pfarrteam

  • W.W.J.D? - An(ge)dacht -

    „W.W.J.D.“ – „What would Jesus do ?“

    Ja: „Was würde Jesus tun ?“ Was würde er heute tun ? – Und was wollte er, dass wir heute tun ?

    Um diese Fragen ging es an einem Vormittag auf dem Konfi-Camp im Juli dieses Jahres.

    Vor einigen Jahrzehnten kam diese Frage und die Abkürzung: „W.W.J.D.“ auf – zugegebener Maßen eher in „frommeren“ Kreisen des weiten evangelischen Spektrums. Viele von uns „normalen“ Christinnen und Christen berührte sie eher peinlich. Denn so direkt und so konkret sollte unser Glaube im Alltag doch nicht werden. Dazu passte die Aussage unseres damaligen Bundeskanzlers Helmut Schmidt, dass man mit der Bergpredigt keine Politik machen könne. Also: Ist die Frage: „Was würde Jesus tun ?“ eine zu einfache ?

    Auf dem Konfi-Camp haben wir mit den Jugendlichen versucht diese Frage auf ganz alltägliche Situationen aus ihrem Leben anzuwenden. Das Ergebnis war verblüffend: 

    • anstatt nur an sich zu denken wurde geteilt
    • anstatt zurückzuschlagen wurde geredet
    • anstatt weiter zu moppen wurde um Verzeihung gebeten.

    Klappt es also doch mit dieser Frage im Alltag mit seinen ganz eigenen Herausforderungen ?

    Viele Konfi’s haben sich nach dieser Unterrichtseinheit ein Armband mit eben diesem Kürzel: „W.W.J.D.“ gekauft und den Rest der Woche getragen. Das sah nicht nur „cool“ aus, sondern es war auch für sie die Erinnerung sich in ihrem Alltag mehr an dem zu orientieren, was Jesus gesagt und vorgelebt hat. Ein hoher Anspruch also !

    Und wir ?

    Ich habe das Gefühl, wir brauchen diese Frage nach dem, „was Jesus wohl tun würde“ heute nötiger denn je. Denn ich erlebe, wie immer mehr Gemeindeglieder sprachlos werden, wenn es um ihren Glauben geht. Sie können nicht mehr sagen, was er für sie bedeutet und was für Konsequenzen es in ihrem ganz normalen Alltag hat, dass sie getauft sind, dass sie zur Kirche gehören und dass sie Christinnen und Christen sind.

    Dabei hat Jesus etwas zu sagen:

    • zu unserem Umgang mit den Nachbarn
    • zu unserem Konsumverhalten
    • zu unserem Umgang als Gesellschaft mit den Menschen, die am Rande stehen
    • zu unseren Wirtschaftssystemen, die nur Wenige profitieren lassen
    • zu unserem Umgang mit Menschen, die bei uns Asyl erhoffen.

    „W.W.J.D.“ – vielleicht tun wir uns mit dieser Frage deshalb so schwer, weil wir nur zu genau spüren, dass es Konsequenzen hat, wenn wir uns auf sie einlassen. Aber genau diese Konsequenzen brauchen wir, damit auf dieser Erde Gott gelobt wird und es auf ihr menschlich zugeht – denn das war es, was Jesus uns beibringen wollte. Lassen wir uns als Gemeinde darauf ein.

    In diesem Sinne grüße ich sie ganz herzlich auch im Namen meiner Kollegin.

    Ihr U. Klein, Pfr.

Pfarrer Ulrich Klein

Pfarrbezirk Johannes
Rhedaer Straße 84
Tel. 05241/29922
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