an( ge) dacht

Liebe Leserin, lieber Leser

„W.W.J.D.“ – „What would Jesus do ?“

Ja: „Was würde Jesus tun ?“ Was würde er heute tun ? – Und was wollte er, dass wir heute tun ?

Um diese Fragen ging es an einem Vormittag auf dem Konfi-Camp im Juli dieses Jahres.

Vor einigen Jahrzehnten kam diese Frage und die Abkürzung: „W.W.J.D.“ auf – zugegebener Maßen eher in „frommeren“ Kreisen des weiten evangelischen Spektrums. Viele von uns „normalen“ Christinnen und Christen berührte sie eher peinlich. Denn so direkt und so konkret sollte unser Glaube im Alltag doch nicht werden. Dazu passte die Aussage unseres damaligen Bundeskanzlers Helmut Schmidt, dass man mit der Bergpredigt keine Politik machen könne. Also: Ist die Frage: „Was würde Jesus tun ?“ eine zu einfache ?

Auf dem Konfi-Camp haben wir mit den Jugendlichen versucht diese Frage auf ganz alltägliche Situationen aus ihrem Leben anzuwenden. Das Ergebnis war verblüffend: 

  • anstatt nur an sich zu denken wurde geteilt
  • anstatt zurückzuschlagen wurde geredet
  • anstatt weiter zu moppen wurde um Verzeihung gebeten.

Klappt es also doch mit dieser Frage im Alltag mit seinen ganz eigenen Herausforderungen ?

Viele Konfi’s haben sich nach dieser Unterrichtseinheit ein Armband mit eben diesem Kürzel: „W.W.J.D.“ gekauft und den Rest der Woche getragen. Das sah nicht nur „cool“ aus, sondern es war auch für sie die Erinnerung sich in ihrem Alltag mehr an dem zu orientieren, was Jesus gesagt und vorgelebt hat. Ein hoher Anspruch also !

Und wir ?

Ich habe das Gefühl, wir brauchen diese Frage nach dem, „was Jesus wohl tun würde“ heute nötiger denn je. Denn ich erlebe, wie immer mehr Gemeindeglieder sprachlos werden, wenn es um ihren Glauben geht. Sie können nicht mehr sagen, was er für sie bedeutet und was für Konsequenzen es in ihrem ganz normalen Alltag hat, dass sie getauft sind, dass sie zur Kirche gehören und dass sie Christinnen und Christen sind.

Dabei hat Jesus etwas zu sagen:

  • zu unserem Umgang mit den Nachbarn
  • zu unserem Konsumverhalten
  • zu unserem Umgang als Gesellschaft mit den Menschen, die am Rande stehen
  • zu unseren Wirtschaftssystemen, die nur Wenige profitieren lassen
  • zu unserem Umgang mit Menschen, die bei uns Asyl erhoffen.

„W.W.J.D.“ – vielleicht tun wir uns mit dieser Frage deshalb so schwer, weil wir nur zu genau spüren, dass es Konsequenzen hat, wenn wir uns auf sie einlassen. Aber genau diese Konsequenzen brauchen wir, damit auf dieser Erde Gott gelobt wird und es auf ihr menschlich zugeht – denn das war es, was Jesus uns beibringen wollte. Lassen wir uns als Gemeinde darauf ein.

In diesem Sinne grüße ich sie ganz herzlich auch im Namen meiner Kollegin.

Ihr U. Klein, Pfr.

Pfarrer Ulrich Klein

Pfarrbezirk Johannes
Rhedaer Straße 84
Tel. 05241/29922
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