Reise auf die Philippinen

Pastor Berlin mit seiner Frau (re), der unterstützenden Pfarrerin Juliet Solis (li) und dem Parament)

Ein Bericht von Dr. Klaus Windel und Susanna Matt-Windel

„Mabuhay“ – „Willkommen“. Ja, sehr willkommen haben wir uns bei unserer Philippinen-Reise stets gefühlt, von der Freundlichkeit der Menschen dort beeindruckt.

  Mitte März sind wir in die Philippinen geflogen, um unsere Tochter Anne-Sophie dort zu besuchen, die seit August 2007 dort für 1 Jahr als Freiwillige der Vereinten Evangelischen Mission (VEM) lebt und schon viele beeindruckende Erfahrungen gemacht hat. Wir freuten uns, nun knapp 3 Wochen mit ihr zusammen zu verbringen, in ihr Leben dort etwas einzutauchen und die Menschen, mit denen sie zusammen ist, kennen zu lernen. Mit im Gepäck : 2 ehemals aus Trinitatis stammende Paramente als Geschenke unserer Region Süd.

  Anne-Sophies „Basisstation“ ist das Regional-Kirchenbüro der UCCP (United Church of Christ in the Philippines) in der Stadt Tacloban auf der Insel Leyte. Hier lernten wir ihre Betreuerinnen Irma und Conni und deren Familien kennen, später auch die Bischöfin, mit der Anne-Sophie manchmal das Zimmer teilt. Wir genossen gemeinsam gegrillten Fisch, Grillhähnchen, Kokosnuss-Salat, und die philippinischen Frauen waren fasziniert von Susannas Strumpf-Stricken. In Tacloban trafen wir auch die Gruppe, mit der Anne-Sophie in entlegene Gebiete zu Gesundheitsprojekten fährt. Und wir besuchten Familien,die in Holzhütten in einem ärmeren Wohnviertel von Tacloban leben und bei denen Anne-Sophie einige Wochen gewohnt hat. Trotz der eher ärmlichen Verhältnisse auch hier der stets laufende Fernseher - einer der vielen Kontraste in den Philippinen.

  Dann ging es weiter mit den typischen philippinischen Transportmitteln Tricycle (Motorrad mit Beiwagen), Jeepney (bunte, ursprünglich aus von den amerikanischen Besatzern zurückgelassenen Jeeps hergestellte Kleinbusse) und meist übervollen Überlandbussen (alle wegen der Hitze ohne Fensterscheiben).Die kleine Stadt Kananga war unser nächstes Ziel. In der dortigen UCCP Kirchengemeinde fühlt Anne-Sophie sich besonders wohl, und hier wohnten wir in dem sehr offenen Pfarrhaus mit den beiden Pfarrerinnen Lotis und Leah und ihren Familien. Karfreitag erlebten wir hier, sangen auch im Chor mit (schwitzend unter den hellblauen Gewändern, die die Chorsänger tragen). Ein Parament von unserer Heimatgemeinde haben wir hier verschenkt, und es wurde gleich passend zu Karfreitag am Altar genutzt. Wir waren und sind beeindruckt von der Lebendigkeit dieser Gemeinde, die sich auch für die armen Bauern in der Umgegend engagiert. Neben der Armut und sozialen Ungerechtigkeit leiden die Bauern in entlegenen Gebieten unter Repressalien bis hin zu Ermordungen durch das Militär, das in den ländlichen Gebieten gegen kommunistische Rebellen kämpft. So sind die PfarrerInnen der UCCP-Kirche, wenn sie sich für die ärmere Bevölkerung engagieren (was sie als christlichen Auftrag erleben) der kommunistischen Komplizenschaft verdächtig und durchaus auch gefährdet. Hier ist unsere Verbundenheit und Fürbitte gefragt. (Und Konzepte des fairen Handels sowie Kleinstkredite z.B.durch Oikocredit können in diesem Zusammenhang Veränderung unterstützen).

Beeindruckt hat uns neben dem Engagement auch die Herzlichkeit und die Fähigkeit trotz des Schweren sich zu erfreuen, die Sorgen hinter sich zu lassen – z.B. beim gemeinsamen Ernten von Süßkartoffeln, beim Trinken von Tuba (Kokoswein) oder beim abendlichen gemeinsamen Karaoke, was die Philippinos lieben…   Ostern verlebten wir in St. Isidro, einer Gemeinde im Süden der Insel, wo Anne-Sophie im Dezember einige Wochen war. Osterfrühgottesdienst am Strand, die Sonne, die sich aus dem Meer erhebt….

  Mit der Fähre setzten wir zur Nachbarinsel Bohol über, um einige Urlaubstage zu verbringen. Mit einem übervollen Bus (in dem auch lebendige Hühner und Schweine transportiert wurden) erreichten wir den idyllischen Loboc-Fluss,wo wir in einer Hütte am Rand des Urwald zwei Tage genossen, danach 2 Tage an einem Strand im Süden der Insel. Zeit zum Ausruhen und Austausch über Erlebtes ehe wir gemeinsam nach Manila flogen.

     In Manila kaum auszuhaltende Kontraste: Einkaufzentrum mit höchstem Standard von amerikanisch/europäischem Konsum – 50 m davon entfernt leben mittellose Menschen auf der Straße… Gemeinsam im Schalom-Center wohnend - dem von der UCCP betriebenen Hotel neben der Kirchenverwaltung - wurden wir von Juliet, einer in der Menschenrechtsarbeit engagierten jungen Pfarrerin über politisch motivierte Entführungen und Morde an Kirchenmitarbeitern, die sich sozial engagiert hatten, informiert. Nachmittags besuchten wir dann gemeinsam Pastor Berlin Guerrero im 2 Stunden von Manila entfernten Gefängnis. Nach seiner Entführung am 27. Mai 2007 ist er seither unter dem Vorwand eines 17 Jahre zurückliegenden Mordes inhaftiert ohne dass bisher ein Prozess eröffnet wäre. Eigentlicher Hintergrund ist, dass Pastor Berlin sich für soziale Gerechtigkeit und Landvertriebene engagiert hatte. Dieser Besuch, bei dem wir auch Pastor Berlins Frau trafen, war ein besonders intensives Erlebnis unserer Reise. In einer ruhigeren Ecke des (in der Besuchszeit wie ein unruhiger Basar erscheinenden) Gefängnisses erlebten wir tiefe Begegnung, hörten von Pastor Berlins Dasein als Seelsorger und Chorarbeit mit Gefangenen, seiner Erfahrung, das ihm Zugestoßene in Gottvertrauen mit Sinn zu füllen. Er freute sich über das von uns mitgebrachte Parament als Geschenk unserer Gemeinde an ihn und ein englisches Exemplar von Bonhoeffers „Widerstand und Ergebung“. Wir empfingen sehr bewegt zwei von ihm hergestellte Kelche, mit Gedanken zu christlicher Berufung, Eine Begegnung, die noch weiter nachwirkt.

 

 

einige Links für weitere Informationen: 

www.vemission.org/projekte-und-spenden/projekte-der-vem/

 www.oikocredit.org

 www.kkstiftung.de/index.php?article_id=276

 www.preda.org/german/

Mit Pastor Berlin und seiner Frau im Gefängnis Cavite mit dem Parament aus unserer Gemeinde
Kirchengemeinde in Kananga, Pfarrerin Leah und Pastorin Lotis
mit dem ehemaligen Trinitatis-Parament am Altar

Mit Pastor Berlin und seiner Frau im Gefängnis Cavite mit dem Parament aus unserer Gemeinde
Kirchengemeinde in Kananga, Pfarrerin Leah und Pastorin Lotis
mit dem ehemaligen Trinitatis-Parament am Altar

Pastor Berlin's Cup

This is Pastor Berlin's cup.

This token is given in sincere appreciation of your sharing with him the sufferings he and his family is going through, which this cup symbolizes.

As a co-worker in Christ, he shares with you the life-changing decision you made to follow and serve Christ by serving His flock in whatever situation you may find yourself. Thus  this cup symbolizes our sharing in Christ's ministry, suffering death and resurrection.

This cup is made out of old newspapers, cut and rolled into thin tubes, linked together to form a longer straw for weaving. Plastic varnish is used to make the product stronger and harder leaving it with a dark shiny finish.

Created by human hands, it is never perfect in the same way that we all are. Its mouth is open wide towards heaven – a gesture of asking for the Holy Spirit  to fill us up to overflowing and to be a blessing to many.

Finally, this cup is a symbol of celebration of life and all the victory that awaits us…

… of life over the evil forces of death

… of abundant life over monopoly and greed

… of freedom over domination, oppression and persecution

… of Christ's peace over the trauma of terror and violence

… of God's reign, here and now and in the coming days

Now this is no longer Pastor Berlin's cup.

This is YOUR Cup.

With deep gratitude

signed:

Pastor Berlin V. Guerrero

United Church of Christ in the Philippines

Cavite Provincial Jail

Trece Martirez City

March 30,2008

 
Pastor Berlins Kelch

Dies ist Pastor Berlins Kelch.

Dieses Zeichen wurde gegeben in Anerkennung, dass ihr Anteil nehmt an dem Leid, das er und seine Familie erfahren und das dieser Kelch symbolisiert.

Als Mitstreiter in Christus teilt er mit euch die das Leben verändernde Entscheidung, die ihr getroffen habt, Christus zu folgen und beim Hüten seiner Herde zu dienen, egal, in welcher Situation ihr euch befindet. Auf diese Weise symbolisiert dieser Kelch unsere Teilhabe am Reich Christi, an seinem Leiden, seinem Tod und seiner Auferstehung.

Dieser Kelch ist hergestellt aus alten Zeitungen, geschnitten und gerollt in dünne Röhrchen und dann verdrillt zu einem langen Halm zum Flechten. Kunstharzlack lässt ihn haltbarer und härter werden und verleiht ihm seine dunkle, glänzende Oberfläche.

Hergestellt von menschlicher Hand ist er nie perfekt, genauso, wie wir alle nicht perfekt sind. Sein Mund ist weit zum Himmel geöffnet, eine Geste, die um den Heiligen Geist bittet, der uns bis zum Überlaufen füllen und für viele ein Segen sein soll.

Schließlich ist dieser Kelch ein Symbol für die Feier des Lebens und all die Siege, die uns erwarten ...

... des Lebens über schlimme Kräfte und den Tod

... dem reichen Leben über Einseitigkeit und Gier

... der Freiheit über die Vorherrschaft, Unterdrückung und Verfolgung

... des Friedens Christi über das Trauma von Terror und Gewalt

... der Herrschaft Gottes hier und jetzt und in den Tagen,die da kommen werden.


Nun ist es nicht länger Pastor Berlins Kelch.

Nun ist es EUER Kelch.

In tiefer Dankbarkeit

unterschrieben:

Pastor Berlin V. Guerrero

Vereinigte Kirche Christi der Philippinen

Provinzgefängnis Cavite

Trece Martirez Stadt

30. März2008