Auf ein Wort

 

Konnten sie warten?
Seien sie einmal ehrlich: Sind sie der Versuchung erlegen oder konnten sie warten?
Wenn sie diesen Gemeindebrief in den Händen halten, dann hat die Adventszeit gerade begonnen – zumindest vom Kirchenjahr her.
Gefühlt beginnt sie jedoch jedes Jahr früher: Lebkuchen gibt es von Ende August an, Schokoweihnachtsmänner von Oktober an, überall Weihnachtsdeko von Anfang November an und die Weihnachtsbeleuchtung in den Städten brennt spätestens von Mitte November an. Weihnachten beginnt also schon im Sommer.
Doch worauf kann ich mich dann in den vier Wochen des Advents noch freuen? Was macht diese Zeit dann besonders, wenn die Kerzen schon im Oktober brennen und der Stollen schon im September schmeckt?
Wir Menschen brauchen jedoch einen Rhythmus, der unser Leben und unseren Alltag bestimmt. Wir brauchen den Rhythmus von Arbeit und Freizeit, von Alltag und Sonntag, von Sommer und Winter – und eben auch den Rhythmus, den das Kirchenjahr vorgibt.
In ihm haben die großen Feste Weihnachten, Ostern und Pfingsten ihren Platz – und genauso Erntedank und das Gedenken an die Verstorbenen am Ewigkeitssonntag. Und danach, erst danach beginnt der Advent.
Advent ist eine Zeit der Besinnung, der Einkehr, der Buße und der Vorbereitung auf das Weihnachtsfest mit der Botschaft von der Menschwerdung Gottes. All die Bräuche und Besonderheiten, die sich entwickelt haben, sind Teil dieser Zeit. Das Licht am Adventskranz wird von Woche zu Woche mehr, bis die Geburt des Lichts der Welt gefeiert wird. Besondere Leckereien wie Stollen, Lebkuchen und Pfeffernüsse wollen diese Zeit ebenso besonders werden lassen, wie die liebevolle Dekoration der Wohnung, die Adventssänger und die besonderen Gottesdienste in diesen Wochen vor Weihnachten.
Wenn wir jedoch schon im Spätsommer damit anfangen, dann sind wir dies alles im wirklichen Advent vielleicht schon satt und überdrüssig.
Also: Haben sie warten können oder sind sie der Versuchung auch schon vorher erlegen?
Unsere Evangelische Kirche in Deutschland hat von einigen Jahren deshalb eine Aktion gestartet. Sie lautet: „Advent ist im Dezember“. Vielleicht haben sie schon einmal einen entsprechenden Aufkleber gesehen.
Und wenn es ihnen in diesem Jahr nicht gelungen ist bis Dezember zu warten, können sie sich dies ja für das nächste Jahr vornehmen, denn
Advent ist im Dezember !
In diesem Sinne eine gesegnete Adventszeit.

 

 

Ihre Pfarrerin Erika Engelbrecht und Pfarrer Ulrich Klein